10. Juni

Lower Sambesi



und mal wieder Werkstatt

Die Grand-East-Road wurde in Abschnitten erst kürzlich durch europäische Entwicklungshilfe erneuert und dementsprechend war die Fahrt vom South Luangwa Nationalpark zurück nach Lusaka zuerst recht ruhig. Der Plan war etwa 70km vor der Hauptstadt nach Süden abzubiegen und eine etwas anspruchsvollere Strecke bis zum Sambesi zu meistern. Nach einer ruhigen Nacht irgendwo neben der Straße übernahm Hannah am nächsten Morgen das Steuer. Je nachdem wo man in unserem doch schon etwas in die Jahre gekommenen Landyfanten sitzt, hört sich alles anders an. Überall Klopft, Kratzt und Scheppert es. Hannah meinte noch, ob das Schlagen an diesem Morgen normal sei, aber wir hatten schon zu viele ungelöste Geräusche, dass wir es nicht weiter beachteten. Um die Raser etwas abzubremsen ist es auf den geteerten Straßen üblich schlafende Polizisten – Speed Bumps – einzubauen. Je nach Ausführungsart kann man diese schneller oder nicht so schnell überfahren. Nimmt man sie zu schnell fliegt alles im Auto hin und her. Doch dank Stoßdämpfer fängt sich das Auto normal schnell wieder. Doch an diesem Morgen war es anders. Zuerst hüpfte es ganz leicht vorne nach, bis es nach dem soundsovielten Huppel nicht mehr aufhören wollte mit hüpfen. Ein weiterfahren war kaum möglich und irgendetwas stimmte da gewaltig nicht mehr. Also hieß es anhalten und nachschauen. Und Mist, beide Stoßdämpfer vorne waren ausgebrochen, links sogar komplett mit Halterung und zusätzlich war die Feder hinten links gebrochen. Umplanen und ab in die Werkstatt nach Lusaka. Im Kriechtempo ging es die letzten Kilometer zu Carsten in die Werkstatt. Die Kommunikation war auf Deutsch einfach und das Problem schnell analysiert. Die Werkstatt lag nur wenige Kilometer von Flying Mission entfernt und so waren wir schneller wieder dort als gedacht. Aber wenigstens hatten die Mädels ein wunderschönes Gelände zum Entspannen, während Matthias und Samuel fleißig am Auto schrauben konnten. Carsten hatte so viel zu tun, dass er uns erst weiterschicken wollte, aber da wir anboten selbst schrauben zu können stellte er uns einen Schweißer an die Seite und schaute ab und zu vorbei um Tipps zu geben. Die Halterung für die Stoßdämpfer wurde aufwändig geschweißt und ist jetzt besser als zuvor. Und zwei Tage später konnte der Urlaub fortgesetzt werden. Diesmal wählten wir die gut ausgebaute Straße und so waren wir nach knapp 3 Stunden schon am Campingplatz. Schön unter Bäumen direkt am Kafue (kurz oberhalb der Mündung in den Sambesi) schlugen wir unsere Zelte für die nächsten 3 Nächte auf. Nochmals die Chance auf besondere Tierbeobachtung diese mal aus einer anderen Perspektive, wir chartern ein Boot. Den „Mighty-Sambesi“ ging es hinunter bis in den Nationalpark Lower Sambesi, vorbei an unzähligen Hippos, Krokodilen, Wasserböcken, bunten Vögel und planschenden Elefanten. Alles aus nächster Nähe vom Boot aus war ein unglaublich spannendes Erlebnis. Vor allem die im Wasser badenden und tobenden Elefanten haben uns beeindruckt. Sie ließen sich von unserer Anwesenheit kaum 10m entfernt nicht stören und ließen sich ins Wasser fallen, kämpften mit den Rüsseln und Stoßzähnen und genossen sichtlich ihr Leben. Und schneller als erhofft mussten wir die zwei dann schon wieder auf den Flughafen bringen. Schön wars mit euch!
Für uns geht’s weiter Richtung Livingston um dort Hannahs Eltern in 2 Tagen vom Flughafen abzuholen. Auch darauf freuen wir uns schon sehr!

25. Juni: Elternbesuch

Tansania
von den Victoriafalls bis nach Maun

Doch bevor sie gehen konnten mussten sie erstmal kommen. Und sie ließen auf sich warten. Hannah wurde schon richtig nervös am Flughafen, als immer mehr Gäste den Flughafen verließen, aber es von den Eltern keine Spur gab. Als letztes in der Zoll-Schlange hat es einfach kurz gebraucht. Und dann war das Wiedersehen umso herzlicher! Am Tag zuvor hatten wir schon mal alles ausgecheckt , wo liegt ihr Hotel, wo gibt es ein nettes Restaurant fürs Abendessen und wo können wir am besten Souvenirs shoppen. Fürs Auto gabs noch neue Gummis für die Stoßdämpfer und für uns einen netten Campingplatz. Wie kleine Tourguides haben wir uns dann gefühlt, als wir die zwei voller Stolz rumführten und ihnen bei einer Village-Tour, einem geführten Dorfrundgang, Afrika näherbringen konnten. Von ihrem Hotel aus konnten wir zu Fuß und ohne Eintritt die unglaublichen und spektakulären Victoriafälle besuchen. Eins der 7 Naturweltwunder lohnt jeden Besuch. Die Gischt ist schon Kilometer vorher zu sehen und an manchen Stellen des Rundweges fühlt man sich wie im Platzregen oder im tropischen Regenwald. Selbst einen Doppelregenbogen kann man bestaunen. Unglaublich wieviel Wasser hier, bis zu 100 Meter hinab stürzen. Die Sambianer sind excelente Holzschnitzer und so mussten wir UND die Beiden das ein oder andere Souvenir einkaufen. An Samuels Geburtstag stand dann noch eine Herausforderung auf dem Reiseplan: der Fähr-Grenzübergang bei Kanzungula. Berüchtigt für die komplizierte Abwicklung und unzähligen Schlepper machte er uns etwas Kopfschmerzen. Als 31. Grenzposten unserer Reise unterschied er sich doch nicht von vielen anderen Westafrikanischen. Viel schneller und unkomplizierter als gedacht waren wir durch und warteten auf die Fähre. Doch anstatt fünf, war heute nur eine einzige Fähre in Betrieb und als wir an der Reihe waren überzusetzten hatte sie „plötzlich“ einen Pumpenschaden. Den Gerüchten nach waren wohl die Chefs des Fährbetriebes gerade zu Besuch und ihnen musste vorgegaukelt werden, wie wenig doch zu verdienen sei. Nicht dass die geringen Einnahmen in Frage gestellt würden. Nur 13 LKWs schafften sie deshalb an einem Tag. Die Schlange war dementsprechend lang und bis zu einer Woche Wartezeit für die Trucker wohl normal. Wir schafften es zum Glück auf die nächste „Ersatzfähre“.
Ein Geburtstagsgeschenk erreichte uns per Mail. Samuels Bewerbung zum Master „Energieeffizientes und umweltbewusstes Bauen“ in München war erfolgreich! Ab Herbst werden wir daher für mindestens zwei Jahre dorthin ziehen. Jetzt heißt es einen Job für Hannah und eine gemütliche Wohnung zu finden. Über Hilfe und Tipps freuen wir uns!!!
Schon 2009 hatte Samuel die Chobe River Lodge beeindruckt. Das große offene reetgedeckte Holzdach überspannt, direkt am Chobe-Fluss, das Restaurant in dem wir ein fantastisches Buffett genießen durften. Impalafleisch, Fisch und alles was das Herz begehrt. Mindestens sieben mal ist Samuel gelaufen um Nachschlag zu holen ;-)
Bisher sind wir zu viert im Auto unterwegs gewesen, aber ab Kasane hatten Gerhard und Birgitt einen Mietwagen. Einen fetten Ford Ranger. Als Kolonne konnten wir so in die Wildniss der Nationalparks vordringen. Die erste Nacht im Chobe Nationalpark war spannend, da wir unser Dachzelt räumten und den beiden überließen. Mitten im Busch unter einem fantastischen Sternenhimmel verbrachten wir die Nacht. Hyänen umschlichen abends das Lager und morgens durchzog eine Büffelherde mit einigen hundert Tieren das Camp! Aber die Wildniss hat auch seinen Preis. Auf Luxus muss weitgehendst verzichtet werden und die Straßen sind schlecht und teilweise tiefsandig. Als Offroadanfänger und mit geringer Bodenfreiheit blieb es nicht aus, im Sand stecken zu bleiben. Etwas weiter gab es einen platten Reifen und die Krönung machte eine Brückenüberfahrt kurz vor Kwhai, dem Eingang zum Moremi Gamereserv. Die spannende Holzkonstruktion mangelte schon etwas an Vertrauen in die Sicherheit und war dazu so schmal, dass die Reifen rechts und links streiften. Und mit der Anfahrschwierigkeit verwechselt hing das Auto plötzlich mit einem Rad über dem Geländer. Wie bekommt man so ein Auto wieder zurück auf die Spur? Aber Afrikaner sind bekanntlich Meister des Improvisierens und da einige zufällig da waren, war schnell ein Lösungsversuch gefunden. Das Auto Aufbocken, das Vorderrad drehen, sodass es das Geländer zufassen bekommt und mit einem zweiten Wagen nach hinten wegziehen war die Lösung. Glücklicherweise kam just zur rechten Zeit der Guide der nächsten Unterkunft vorbei und half seinen neuen Gästen gleich mal aus der Patsche. Ohne Schaden haben wir dieses Abenteuer afrikanisch gemeistert! Die nächsten Brückenüber- und Wasserdurchquerungen waren dann ein Kinderspiel.
Leider schlitzen wir unseren Landy Reifen kurz vor Parkausgang dann noch auf und mussten somit unsere erste Reifenpanne auf den bisherigen 30000km verbuchen. Da auch der zweite Reifen schwächelte und auch die beiden vorderen an Profil zu wünschen übrig ließen gabs in Maun kurzerhand einen Satz (teure) neue Reifen. Hoffentlich haben wir für den Rest der Reise damit keine Probleme mehr.
Der Rest der gemeinsamen Reise und vor allem etwas zur Tierwelt gibt es im nächsten Eintrag. Sonst hätten wir euch einige schöne Tierbilder vorenthalten müssen. Ihr dürft euch darauf freuen!

 

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05. Juni: Stuntshow

Tansania
Salto-MORDtalis vom Autodach

Bevor wir auf den vielversprechenden Titel eingehen, möchten wir chronologisch erzählen. Bei der Einreise mussten wir ganz schön schwitzen. Eine Steuer nach der anderen war fällig. Unsere Autoversicherung wurde nicht anerkannt und diskutieren half nichts. Willkommen zurück in Afrika. Die Ngonyewasserfälle waren unser erster Halt ín dem so unglaublich grünen Land. Die zweitgrößten Wasserfälle des Sambesi sind allerdings weniger spektakulier als sie klingen. Doch die Parkranger freundlich und die Nacht ruhig. Aufgrund des hohen Wasserstandes fuhr die Fähre am nächsten Tag nicht und dank des großen Umweges kamen wir nur wenig voran. Neben der Straße im Busch verbrachten wir die nächste Nacht bevor es an die Durchquerung des Kafue-Nationalparks, einer der größeten NP Afrikas, ging. Der Kafue-Fluss bildet die östliche Grenze und wir schlugen unser Nachtlager am Ufer auf. Ein Rudel Wildhunde waren bei der Anfahrt unser Highight. Ganz unerwartet lagen die sehr seltenen und schüchternen Tiere gemütlich auf dem Weg. Das Fell und die Ohren sind echt besonders bei diesen Tieren. Nach einer Nacht mit Hippos, Affen und Impalas mitten in der Wildniss gings auf zu FlyingMission in Lusaka. Samuel war vor fast 10 Jahren dort schonmal zu Besuch als er sein Zivildienst in Botswana gemacht hatte. Schon damals hat es ihm dort sehr gefallen und auch diesesmal wurden wir sehr herzlich willkommen geheißen und durften im Hof unser Zelt aufschlagen. Viel hat sich seither hier getan. Manches sah trotzdem noch so aus wie damals. Nach einem Tag Auto putzen und umräumen und einem gemütlichen Sonntag freuten wir uns rießig die zwei Bleichgesichter in Empfang nehmen zu können.

Vor lauter Trasch und Klatsch wurde ein unerwünschtes Foto von uns geschossen und wir mussten Strafe zahlen. Unser erstes Ziel war der hochgelobte South Luangwa Nationalpark im Osten des Landes. Das erste mal in Afrika vielen Desi fast die Augen aus dem Kopf bei all dem Anderen und Ungewöhnlichem. Zig Esel- und Ochsenkarren, lachende und winkende Kinder und die Landschaft wurden unzählige male fotografiert. Die Anreise dauerte zwei volle Tage und führte uns durch das Luangwatal über Straßen die immer kleiner wurden, bis nur noch ein Motoradpfad zu sehen war. Die Freundlichkeit der Sambianer wurde uns hier nochmals deutlich bewusst. Trotz einfacher Lebensweise wird hier Weniger gebettelt und trotzdem sind die Menschen sehr herzlich. Unsere Piste führte uns eine ganze Weile entlang der Nationalparkgrenze und so konnten wir schon hier mit der Safari beginnen! Elefanten, Giraffen, Zebras, Warzenschweine, Antilopen und Hippos sind hier ohne Parkgebühr zu bewundern. Vier Nächte verbrachten wir hier am schönen Wasserlauf des Luangwas. Matze und Desi durften sogar einen Löwen auf ihrem Nightdrive, einer geführten Safarifahrt nach Sonnenuntergang, sehen. Gemeinsam machten wir uns am nächsten Tag früh morgens auf in den Park, um in den Morgenstunden die besten Chancen auf faszinierende Tierbeobachtung zu bekommen. Und wir wurden nicht enttäuscht. Zwei Hippos ganz dicht vor dem Wagen, Giraffen in wurfweite und ein paar Sekunden ein Leopard gehörten zu den besonderen Momenten. Doch am faszinierendsten war eine Hyäne. Von weitem hat sie Matze entdeckt und langsam haben wir uns genähert. Zuerst sah es aus, als liegt sie faul im Gras, doch nachdem alle anderen Safariautos weitergezogen waren schleppte sie ihre Beute über die Ebene. Direkt vor usnerem Auto musste sie ihren Fleischfetzten noch vor den Geiern verteidigen, bevor sie im Gestrüpp verschwand. Und jetzt zurück zur Überschrift. Um die beste Aussicht genießen zu können saßen wir Jungs auf dem Autodach. Vom unerwarteten Bremsen überrascht, bewies Matthias uns wiedereinmal seine akrobatischen Fähigkeiten. Im Salto segelte er über die Motorhaube, schaffte es dort noch das Fernglas unbeschädigt abzulegen bevor er auf den Beinen landete. Ohne Blessuren kam er allerdings nicht davon. Doch zum Glück war die Elefantenherde gerade vorbeigekommen und wir konnten ihn in Ruhe verarzten und verbinden. Wir sind sehr froh dass nichts ersthaftes passiert ist und Matthias mit einigen Schnitten und Schürfwunden davongekommen ist. 
Nach einer ruhigen Mittagspause war es uns kurz vor Abend nochmals vergönnt einen Leoparden zu sichten. Und nur wenige Meter vor dem Parktor wurden wir ganz zum Schluss noch von einem Rudel Wildhunde überrascht. Wohl nicht nur wir waren überrascht, sondern auch ein Hippo kam wohl zwischen die Bande und wurde unsanft weggejagt.

Das nächste Ziel sollte der Lower Zambesi Nationalpark werden. Doch leider wollte das Auto nicht. Mist.

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