10. August

BigDaddy



Dünen, Canyon und Kanutour

Der größte Nationalpark Afrikas erstreckt sich auf knapp 50.000 km²  zwischen Swakopmund und Windhoek bis runter nach Lüderitz. Neben der ältesten Wüste der Welt, der Namib, schließt das Schutzgebiet das Naukluftgebirge mit ein. Am berühmtesten sind allerdings die rießigen Sanddünen um Sossusvlei, welche auf keiner Namibiarundfahrt fehlen darf. Dünen hatten wir schon in Marokko und daher zog es uns gar nicht allzu sehr dorthin, sondern uns reizte mehr der einsame und karge Norden des Parks. Die meisten Touris und Tourbusse durchqueren diesen Teil auf den beiden Hauptstraßen ohne davon abzuweichen. Die weit verstreuten Campingmöglichkeiten sind einfach: ohne Strom und Wasser und müssen nicht einmal vorgebucht werden. Im Parkbüro muss man lediglich ein Permit für den Eintritt und die Übernachtung entrichten, wo bzw. auf welchem Campingplatz man allerdings schläft, ist egal. Wir hatten den Tipp bekommen, zum Campside RockArch zu fahren. Eine große Felsbrücke unter der man direkt campen kann. Wir hofften sehr, dass niemand dort sei und waren schon enttäuscht, als wir bei der Anfahrt ein Auto parken sahen. Doch zu unserem Glück gibt es dort zwei Campingplätze und den schöneren der beiden hatten sie (für uns?) freigelassen! Der Platz wird wohl einer der besonderen unserer gesamten Reise sein! Im Reiseführer hatten wir von einem kleinen Wanderweg gelesen und tatsächlich ein Schild dazu gefunden, welches die Route auf ca. 4-5 Stunden beschrieb. Der Weg sei mit Oryx-Spuren markiert. Also Rucksack auf und los. Zuerst geht es in einem ausgetrockneten Flussbett hinunter und irgendwann ein anderes wieder hinauf. Die Markierungen waren spärlich. Dank GPS fanden wir die Abzweigung. Doch auch das zweite Flussbett muss irgendwann verlassen werden, um das Dreieck der Wanderung zu schließen. Und hier waren sie plötzlich zu sehen. Alle paar Meter gab es eine Markierung. Bis sie so plötzlich wie sie aufgetaucht sind auch wieder weg waren. Querfeldein ging es dann über Zebrapfade zurück über die steinigen Berghänge. Auf den ersten und wohl auch auf den zweiten Blick wirkt die Namib öde und karg. Doch gerade auf dieser Wanderung sahen wir die Details: viele verschiedene kleine Blüten, besonders angepasste Büsche und Sträucher. Die wohl außergewöhnlichste ist die Welwetschia. Eine ganz besondere Überlebenskünstlerin in der heißen und trockenen Wüste. Das älteste ca. 2000 Jahre alte Exemplar wurde leider von Touristen abgebrannt. Das nächstälteste mit ca. 1500 Jahren wird seither mit einem großen Zaun geschützt. Denn selbst durch zu nahes heranlaufen zerstört man die feinen Wurzeln dicht unter der Oberfläche rings um die Pflanze.
Auf unserem Weg in den Süden führt uns der Weg an den Dünen eh vorbei und wenn alle Touristen dort stoppen muss es ja schon irgendetwas cooles zu sehen geben. Also machten wir auch einen kurzen Stopp. Und der hat sich gelohnt! Nach einer schönen Wanderung im Sesriemcanyon haben wir uns verhältnismäßig spät auf den Weg zu den Dünen gemacht. Die meisten brechen vor Sonnenaufgang auf um im schönen Licht der Morgensonne fotografieren zu können. Außerdem wird es im Sommer mittags unerträglich heiß. Aber wir reißen im Winter, daher bietet sich die Abendstimmung umso mehr an. In einem Flusstal, dem Sossusvlei, fährt man Tief zwischen den Dünen hinein. Die letzten 6km sind dann nur noch mit Allrad zu bewältigen. Und von dort geht es dann nur noch zu Fuß weiter. Zur rechten erhebt sich BigMama und zur linken die wohl höchste Düne der Welt: BigDaddy. Und zu deren Füßen bereitet sich das spektakuläre Deadvlei aus. Die weißliche Tonpfanne mit ihren abgestorbenen Akazienbäumen bietet einen wunderschönen Kontrast zu den orangefarbenen Dünen und dem blauen Himmel. Es war noch nicht all zu spät und wir noch fitt und motiviert, also rauf auf BigDaddy. Nur über den Dünenkamm gelangt man nach oben, an den Flanken ist der Sand zu weich. Aber selbst hier geht man 2 Schritte und automatisch einen wieder zurück. Im Sand wandern kann soooooo anstrengend sein! Und bei der Hälfte waren wir kurz davor aufzugeben. Aber der Ausblick von Oben lohnt jede Strapaze. Und erst der Abstieg! Einfach loslaufen, die steilste Seite runter. Rennen, hüpfen und weich landen. Und das fast ohne Ende. Lang war der Aufstieg und Spaß macht der Abstieg ;-)
Ein weiteres Superlativ Namibias liegt weitere 500 km südlich. Der zweitgrößte Canyon der Welt (nach dem Grand Canyon Amerikas): der Fish River Canyon. Auch hier führt uns unser Weg quasi vorbei. Doch hier wurden wir etwas enttäuscht. Mit dem Auto darf man bis an den Rand des Canyons heranfahren und hat von dort einen grandiosen Blick hinab. Aber nur der Blick darf hinabschweifen, der Abstieg in den Canyon ist Tagesbesuchern strengstens verboten. Vielleicht ist das Naturwunder in den Morgenstunden beindruckender, aber wir waren uns einig, dass man diesen Punkt auf einer kurzen Namibiareise getrost auslassen kann.
Bevor wir nach Hause fliegen und bald in einer Großstadt leben, gönnten wir uns zum Abschluss unserer Reise noch ein kleines Highlight. Auf dem Grenzfluss zwischen Namibia und Südafrika schlossen wir uns einer 4 Tages „Raftingtour“ an. Bossi, unser Guide und Koch, und Creesen & Astrid, ein Südafrikaner indischer Abstammung und seine norwegische Frau, waren unsere netten Kanu-Reisegefährten. 3 Nächte schliefen wir auf Sandbänken direkt am Fluss. Bossi verköstigte uns drei Mal am Tag hervorragend und dazwischen paddelten wir in der schön warmen Mittagssonne den Orangefluss hinunter. Die einzelnen Rapids/Stromschnellen machen den Trip etwas aufregend, doch wir blieben bis zum Schluss „trocken“ ;-) Ein paar Affen, Wildpferde und vereinzelte Herden Ziegen bevölkerten die Ufer des Flusses. Dicht hinter dem schmalen Streifen Grün erheben sich karge steinige Berge. Zwei verlassene Diamantenminen gab es zu erkunden. Und am Ausstieg fühlten wir uns schon wie zuhause im Neckartal: überall Weinberge. Auf den Herbst zuhause freuen wir uns schon!

21. August: Zielgerade

Tansania
wir haben es geschafft!!

Mit der Fahrt über den Orange-Fluss überquerten wir die letzte Grenze in ein neues Land, dem Zielland unserer Reise. Nur noch ca. 700km sind es bis nach Kapstadt, von wo uns Emirates zurück nach Deutschland bringen wird. Und noch knapp 2 Wochen Zeit wenigstens einen kleinen Teil von Südafrika zu erkunden. Aber langsam sind wir auch gesättigt vom vielen Fahren und so führt uns unsere Strecke fast direkt runter ans Kap. Auf der Strecke machten wir einen Campingstopp in einer Orangenfarm. Und weil es uns hier so gefallen hat, blieben wir gleich noch eine Nacht. In einem kleinen ruhigen Tal liegt die ökologische Farm. Und direkt am Bach entlang erstreckt sich der Campingplatz mit über 120 Stellplätzen über mehrere Kilometer. Jeder Stellplatz ist individuell, meist mit direktem Zugang zum Bach und durch die weite Verteilung ist es hier sicher auch in der Hochsaison sehr schön. Jetzt hier im Winter waren wir hingegen fast ganz allein. Die letzten sehr süßen Orangen konnten wir direkt vom Baum pflücken und dazu getrocknete Mangos genießen. Nur einen kleinen Abstecher führte uns anschließend ins Weinland um Stellenbosch. Unzählige Weingüter reihen sich hier aneinander. Eins schöner und herrschaftlicher als das andere und meist mit sehr langer Geschichte bis zurück ins 16te Jahrhundert. Und jedes bietet Weinverkostungen an. Nach nur zwei Weingütern und 16 gekosteten Weinen hatten wir genug. Und genossen lieber noch in nüchterner Verfassung ein Abendessen erster Klasse. Für alle die Wein und Essen lieben ist die Gegend um Stellenbosch unbedingt zu empfehlen!
Hatten wir die letzten Monate fast nur Sonne, hat uns das schlechte Wetter nun wieder eingeholt. Um den zwei verregneten Tagen zu entfliehen, nahmen wir die Einladung eines Südafrikanischen Ehepaares gerne an bei ihnen in Hermanus vorbeizuschauen. Wir waren auf einem kleinen Campingplatz ins Gespräch gekommen, da sie 2011 dieselbe Reise unternommen hatten. In ihrem großen Haus direkt am Meer verkrochen wir uns unter warmen Decken und mit Tee vor dem Regen. Und sobald die Sonne sich wieder blicken ließ, ging es die letzten Meilen entlang der Küste bis zum Kap der guten Hoffnung. Wir haben es endgültig geschafft! Wir sind Unten angekommen! Die letzten Tage sind noch der Bonus. 4 Tage Zeit sich Kapstadt anzuschauen. Tafelberg, Waterfront und Signalhill. Woodstock Foodmarket und Kirstenbosch botanischer Garten. Und packen. Zum Glück haben wir jeweils zwei Gepäckstücke a 23kg sodass wir viele unserer Sachen und Souvenirs direkt mit nach Hause nehmen können. Bequem im Backpacker inkl. Frühstück konnten wir die letzten Stunden auf dem afrikanischen Kontinent genießen und uns in der sehr europäisch geprägten Stadt auf zu Hause vorbereiten. Nach 8 Monaten on the Road freuen wir uns sehr wieder nach Hause zu kommen. Familie, Freunde und die ein oder andere Hochzeit warten schon und wir freuen uns echt schon wieder rießig euch alle zu sehen!
Heute haben wir unser Auto beim Spediteur abgegeben und die Schlüssel dort gelassen. In den nächsten Tagen wird es uns dann in einem Container auf dem Wasserweg folgen. Die letzten Worte schreibe ich jetzt auf dem Flughafen mit Blick auf unser Flugzeug. Bald schon, ganz bald sind wir wieder daheim. Und wenn wir die Zeit finden schreiben wir dann noch eine kleine Zusammenfassung mit unseren Tops und Flops und wie es bei uns dann weitergeht. Falls ihr Interesse an einem kleinen Erzählabend habt schreibt uns doch bitte kurz eine Mail dass wir wissen wen es interessieren würde. meile[at]meilenweit.reisen
Bis bald. Grüße (noch) aus Afrika.

weiterlesen
31. Juli: Flussbettfahrt

Tansania
in der Einsamkeit Namibias

Wie auf einer Achterbahn kam uns die Fahrt entlang des Grenzflusses Kunene vor. Die wohl erst kürzlich ausgebaute Kiesstraße führte immer wieder steil hinab, unten über einen Bach und wieder steil hinauf. Während sich links die karge Wüstenlandschaft erstreckt, schlängelt sich rechts das grüne Band des Flusses durch die Landschaft. Nur vereinzelt sieht man Himbas mit ihren Herden. Die Himbas sind eins der wenigen Naturvölker, die noch recht traditionell leben. An der Kleidung, oder bessergesagt der fehlenden Oberbekleidung der Frauen erkennt man die Himbas gut. Um sich vor der Sonne zu schützen schmieren sie sich mit einem Gemisch aus roter Erde und Fett ein. Die Haare der Frauen sind ebenfalls mit einer roten Lehmschicht bedeckt. Auf einem von Himbas geführten kleinen Campingplatz verbrachten wir die Nacht unter Palmen am Ufer des Kunene.
Nicht viele Touristen verschlägt es hier ganz in den Norden des Landes, obwohl es hier einen schönen Wasserfall: die Epupafalls, gibt. Nicht so groß und spektakulär zwar wie die Viktoriafälle, aber dennoch beeindruckend. Wie in einer Oase der Sahara kamen wir uns hier vor. Wasser bringt leben. Das sieht man hier ganz deutlich. Verlässt man den Fluss nur einige hundert Meter, ist alles trocken und karg. Dementsprechend dünn ist das Land hier besiedelt. Unterhalb von Opuwo bogen wir Richtung Osten ab. Wir hatten viel von der Schönheit und Einsamkeit dieses Landstriches gehört. Stunden fuhren wir hier durch die Landschaft ohne einen Menschen zu sehen. Die Fahrt ging entlang des  Khumib Flussbettes. Strauße, Springböcke, Oryxantilopen, Giraffen und Zebras sahen wir hin und wieder. Über einen kleinen Pass gelangten wir wieder ins Hoanibflussbett und folgten diesen bis nach Puros. Hier stratet ein wirklich empfehlenswerter Abschnitt, der Puroscanyon. Hatte bisher der Hoarusibfluss kein Wasser, fließt hier ein kleiner Bach im breiten Flussbett. Links und rechts steigen die Felswände steil an und im Canyon heißt es deshalb ständig den Bach zu queren um mal inks und mal rechts entlangzufahren, Die einsame Nacht mitten im Canyon gehört sicher zu einer unserer Highlights. Vom Ende des Canyons gings wieder durch eine unendliche Weite der Namibwüste bis hin zum Hoanibflussbett. Man sieht zwar kein Wasser fließen, kann aber dennoch erahnen dass der Fluss hier unterirdisch fließt, da im gesamten Flussbereich große saftig grüne Bäume stehen. Hatten wir bisher vergeblich nach den Bergelefanten ausschaugehalten hofften wir sie wenigstens hier auf dem letzten Abschnitt zu sehen. Doch leider waren wieder nur die (teilweise) frischen Spuren und Hinterlassenschaften zu sehen. Nicht auf einer Straße, sondern direkt im ausgetrockneten Flussbett zu fahren ist schon sehr besonders. Dazu die Affen, Giraffen, Strauße und Antilopen, da will man gar nicht mehr raus auf „normale“ Wege. Auf dem GPS war ein Aussichtspunkt eingezeichnet mit einer Straße dorthin, also gings kurz raus aus dem Flussbett und rauf auf den Hügel. Doch der Weg war steiler als gedacht, die Drehzahl sank, die Power ließ nach. Dumm dass wir gerade jetzt seit einigen Kilometern Probleme mit den Bremsen haben, die Dichtungen der Bremskolben sind wohl undicht, sodass der Druck im Bremssystem fehlt und man erst ein, zweimal pumpen muss um eine Bremswirkung zu erhalten. Aber gerade am steilen Berg stehen, die Steine unter dem Auto rutschen hören und merken, das Auto schafft es nicht, da bekommt man Panik. Also schnell rauf auf die Bremse und erstmal durchatmen. Dumm wenn nichts bremst und das Auto langsam rückwärts rutscht. Rutscht. Rutscht. … Zweimal pumpen und die Bremsen greifen. Die Frau schreit. Der Puls rast. Nochmals gutgegangen. Kleine Übersetzung rein und vollends rauf auf den Berg. Und da sehen wir sie. Die seltenen Bergelefanten. Unten im Flussbett, genau zu unseren Füßen, sehen wir die 14 Elefanten. Einige besprühen sich mit Staub, eine Mutter hilft ihrem Baby die Böschung hinauf und einige andere fressen genüsslich am Grün des Flusslaufes. Wunderschön können wir sie von hier oben beobachten ohne sie dabei zu stören. Was für ein toller Abschnitt unserer abendteuerlichen Offroadtour. In Sesfontain (sechs Quellen) erreichen wir wieder die Zivilisation (wenigstens einigermaßen) und verbringen die nächste Nacht auf dem Communitycampsite in der Kowaribschlucht. Hier genießen wir wieder eine richtig heiße Dusche und den Blick direkt von unserem Zeltplatz über das Flusstal.
Der schnellste und einfachste Weg von hier nach Swakopmund führt uns durch den sagenumwobenen Skeletton Coast Nationalpark. Leider gibt es hier keine Campingplätze im Park und wir müssen im Transit hindurch. Auch ist das Verlassen der Straße verboten und es gibt kaum Möglichkeiten bis ans Meer zu fahren. Mit Touren ist es wohl erlaubt direkt zwischen Dünen und Meer entlangzufahren (zumindest sehen wir unzählige Spuren). Wir begnügen uns mit der Erinnerung an Mauretanien und einem Spaziergang an den Strand. Etwas südlich vom Park liegt Cape Cross. Hier lebt die größte Robbenkolonie Namibias. Im Reiseführer wird vor dem Geruch gewarnt, aber Worte können das nicht beschreiben. Hatten wir einige Tierchen erwartet und vielleicht etwas Geruchsbelästigung waren wir etwas überrascht von den zig Tausend Tieren und dem Atemraubenden Gestank. Um an den Strand zu kommen oder von dort zu ihrem Lieblingsplatz steigen sie einfach über alle anderen Tiere drüber. Was für ein Geschrei hier herrscht. Die Population wird hier mit  60000-100000 tausend Tiere angegeben. Soweit das Auge reicht Robben. An Land und im Wasser. Und dazwischen einige Fotogierige Touristen. Und wir ;-)
Von hier ist es dann nicht mehr weit ins kleine deutsche Ostseestädchen Swakopmund. Nicht wirklich an der Ostsee, aber doch fast wie in Deutschland fühlen wir uns hier. Gehwege, eine Strandpromenade, Fachwerkhäuser und Butterbrezeln. Und das Wetter wie an der Ostsee. Neblig nass und kalt. Zum Glück reißt mittags der Himmel auf und es wird wärmer. Wir genießen das kleine Städtchen, gehen Essen und einkaufen und lassen das Auto (wiedermal) reparieren.
Von hier geht’s weiter im Endspurt gen Süden. Nur noch drei Wochen bleiben uns. Wir sehen uns bald!!!

weiterlesen