24. Mai

Caprivistreifen





Was müssen das für Bäume sein,
wo die großen Elefanten spazieren geh‘n,
ohne sich zu stoßen?
Rechts sind Bäume,
links sind Bäume,
und dazwischen Zwischenräume,
wo die großen Elefanten spazieren geh‘n,
ohne sich zu stoßen!

eigentlich nur auf der Durchfahrt

Mit tropfendem Auto, plattem Reifen, kaputter Lenkung und geschwollenen Augen sind wir in Namibia eingefahren. Als erstes wollten wir deshalb eine Apotheke und eine gute Werkstatt finden um uns und das Auto wieder fit zu bekommen. Per Whatsapp hatten wir eine Diagnose und die nötigen Medikamente verschrieben und von Laura & Cemil eine Werkstatt empfohlen bekommen. Namibia ist riesen groß und hat nur ca. 2,5 Mio. Einwohner. Wir dachten also wir sind irgendwo in der Pampa und können froh sein, wenn wir irgendein ähnliches Medikament (wer weiß wie lange abgelaufen) in einer vergilbten Verpackung irgendwo aus einem Bretterverschlag bekommen. Weit weit gefehlt. Die Apotheke die wir betraten war größer und moderner als alle die wir bisher in Deutschland gesehen haben! Drogeriemarkt, Babyshop, Tiermedizin, Beautiysalon, Impfstube und Apotheke alles in einem. Ein Roboter im Glaskäfig holt die beorderten Medis und überall an der Decke hängen Überwachungskameras und Klimageräte. Und dazu entpuppt sich der Dorfapotheker als äußerst fähiger Mediziner, dessen Diagnose sich mit der unseres Reisedoktors deckte und der uns super beraten hat und uns auch ohne Rezept unser nötiges Antibiotika gegeben hat. Als zwei Tage später noch die Beulenpest einsetzte, kamen wir wieder zu ihm zurück und er gab uns eine passende Salbe. All die Symptome waren wohl Staphylokokken, wo wir diese herhaben wissen wir nicht, aber inzwischen haben wir das böse Bakterium bekämpft und gesiegt! Wir waren außerdem im größten Ballungsgebiet Namibias, der Hauptstadt des Nordens und der 5 größten Stadt des Landes gelandet, also nicht irgendwo auf dem Dorf. Die Werkstatt war fast nebenan und auch dort hat uns Josef sehr sehr kompetent betreut und unser Auto repariert. Leider kamen wir samstagmorgens an und auch in Namibia wird sonntags nicht gearbeitet (und samstags nur halbtags) und so mussten wir notgedrungen übers WE in den nahgelegenen Etosha Nationalpark fahren ;-) Nichts gebucht und nur als Spontantrip genossen wir die Nacht vor dem Parkbesuch im angrenzenden privaten Gamereserve mit eigenen sanitären Anlagen, heißer Dusche und Pool. Vom dazugehörigen Restaurant hat man einen Blick auf das Hauseigene (nachts beleuchtete) Wasserloch. Mit Öffnung des Parkes stürmten wir dann morgens früh in den Park. Schon auf der Zufahrt stand die erste Giraffe neben der Straße und gleich nach dem ersten Camp lag ein großer Löwenpapa hinter einem Baum. Auf der Weiterfahrt auf der Parkautobahn, einer breiten, auch von normalen PKWs und sogar Reisebussen befahrbare Straße, hielten wir an einer Ansammlung von Geländewagen. Wo viele rumstehen gibt es auch immer was zu sehen. Hier waren es zwei Babys mit ihrer Leopardenmama! Zebras, Büffel, Strauße und unzählige Antilopen und Springböcke durften wir beobachten und fotografieren. Zack. Plötzlich stand die Kühlwassertemperatur auf Kochen. Also aussteigen und Wasser nachfüllen. Aber schon nach einer halben Stunde dasselbe Spiel. Wieder wollte der Motor zwei Liter Kühlwasser. So macht Safari keinen Spaß und wir brachen ab und machten uns schon am frühen Nachmittag auf den Rückweg. Alle halbe Stunde anhalten und Kühlwasser nachfüllen war angesagt, damit der Motor nicht überhitzt. Mit Einbau der neuen Wasserpumpe ist dieses Problem  nun zum Glück behoben! Da unser Auto über Nacht in der Werkstatt bleiben musste wurden wir spontan von Jean-Pier, einem deutschstämmigen Namibianer, eingeladen bei ihm im Gästezimmer zu übernachten. Zum Abendessen wurde natürlich gegrillt. Das beste Oryx-Steak, von der Farm seines Onkels, das ich jemals gegessen habe! Danke JP!
Namibia wollte von uns eigentlich erst nach Botswana besucht werden. Der Aufenthalt war nur als Durchfahrt nach Sambia gedacht und so machten wir uns ohne weitere Umwege auf den Weg Richtung Osten. Der Zeigefinger Namibias sollte ursprünglich Deutsch-West- und Deutsch-Ost verbinden. Der schmale Streifen zwischen Angola und Botswana, offiziell Caprivistreifen genannt, ist wohl eine absolutes Highlight Namibias und ein Touristenmagnet. Auf dem kleinen Gebiet drängen sich etliche Nationalparks mit einer hohen Wilddichte und wunderschöner Natur, durchzogen von vier großen Flüssen. Das Camp N´gepi, nahe der Popa-Fällen,  wurde uns mehrfach empfohlen und eine Nacht gönnten wir uns auf dem mit Charme und Witz angelegten Campingplatz. Traumhaft am Okavango gelegen gibt es einen Hippo- und Krokodilsicheren Pool direkt im Fluss, Terassen am Ufer, individuelle Stellplätze und Baumhäuser entlang des Ufers und witzige, naturbelassene Toiletten und Duschen. Der Thron, Poopafalls und Tarzan&Jane machten jeden Toilettenbesuch zu einer Überraschung. Leider hatten wir wiedermal nicht gebucht und bekamen den letzten Stellplatz in zweiter Reihe. Doch dank eines netten deutschen Pärchens auf dem Stellplatz neben uns, durften wir ihre Feuerstelle in erster Reihe mitbenutzen. Die nächste Nacht wollten wir auf einem günstigeren Community-Campside verbingen. Der Weg dorthin war eigentlich nicht weit, doch wir haben uns so richtig im Matsch festgefahren. Weit und breit die einzige Pfütze nutzten wir um unser Auto so richtig zu versenken. Graben, Sandbleche, Luftablassen und Allrad nutzen nichts. Selbst ein herbeigerufener Toyoto Hilux konnte uns nicht rausziehen. Wir saßen mit dem kompletten Unterboden im Matsch fest. Alle vier Räder drehten durch. Mit Hilfe der Toyota Fahrer konnten wir dann unser Auto mit dem High-Jack anheben, Steine und Gras unter die Reifen schieben und mit vereinter Kraft konnte uns der Toyota dann endlich aus dem Loch ziehen. Die Nacht war dann doch nicht günstiger ;P

Einen relativ spontanen Abstecher machten wir am nächsten Tag in den Babwata-NP. Das eigentlich angesteuerte Camp wurde zur Zeit renoviert und die alternative lag tief im Park. Schmale Sandwege, direkt am Fluss entlang, zig Elefantenherden, Giraffen, Kroks, Hippos, Antilopen auch seltener Art beeindruckten uns deutlich mehr, als der überlaufene Etosha. Leider war das Camp etwas über unserem Budget und so wurde der Park ein Tagesausflug. Trotzdem empfehlenswert!
Als wir einige Tage zuvor im Etosha an ein Wasserloch gefahren sind, stand dort einsam ein dunkler Landrover Defender, wie unserer, doch mit Ludwigsburger Kennzeichen (LB). Drin saßen Claudia und Roland aus Horrheim. Ein kurzer Plausch und wir trennten uns wieder. Was für eine Überraschung als wir sie nun früh morgens am Tor des Mudumu-NP wieder trafen. Sie waren uns sympatisch (und wir ihnen wohl auch) und so brachen wir gemeinsam zur nächsten Safari auf. Die Nacht verbrachten wir mitten im Park mit wunderschönem Blick über den Kwando Fluss mit einem herrlichen Sonnenuntergang. Antilopenherden direkt vor dem Camp, Affen sogar im Camp und nächtlicher Besuch eines Hippos (wir fanden am Nächsten Morgen die Hinterlassenschaften direkt neben C&Rs Auto) machten diese Nacht zu einer ganz besonderen! Den kleinen Teil Namibias den wir bisher gesehen haben hat uns unglaublich gefallen und wir kommen gerne wieder, mit mehr Zeit um noch mehr des großen und schönen Landes zu erkunden.
Jetzt freuen wir uns aber erstmal auf unseren Besuch. Zuerst Samuels Trauzeuge Matthias und Desi für zwei Wochen Sambia und gleich danach Hannahs Eltern für zwei Wochen nördliches Botswana. Wir freuen uns auf euch!

 

05. Juni: Stuntshow

Tansania
Salto-MORDtalis vom Autodach

Bevor wir auf den vielversprechenden Titel eingehen, möchten wir chronologisch erzählen. Bei der Einreise mussten wir ganz schön schwitzen. Eine Steuer nach der anderen war fällig. Unsere Autoversicherung wurde nicht anerkannt und diskutieren half nichts. Willkommen zurück in Afrika. Die Ngonyewasserfälle waren unser erster Halt ín dem so unglaublich grünen Land. Die zweitgrößten Wasserfälle des Sambesi sind allerdings weniger spektakulier als sie klingen. Doch die Parkranger freundlich und die Nacht ruhig. Aufgrund des hohen Wasserstandes fuhr die Fähre am nächsten Tag nicht und dank des großen Umweges kamen wir nur wenig voran. Neben der Straße im Busch verbrachten wir die nächste Nacht bevor es an die Durchquerung des Kafue-Nationalparks, einer der größeten NP Afrikas, ging. Der Kafue-Fluss bildet die östliche Grenze und wir schlugen unser Nachtlager am Ufer auf. Ein Rudel Wildhunde waren bei der Anfahrt unser Highight. Ganz unerwartet lagen die sehr seltenen und schüchternen Tiere gemütlich auf dem Weg. Das Fell und die Ohren sind echt besonders bei diesen Tieren. Nach einer Nacht mit Hippos, Affen und Impalas mitten in der Wildniss gings auf zu FlyingMission in Lusaka. Samuel war vor fast 10 Jahren dort schonmal zu Besuch als er sein Zivildienst in Botswana gemacht hatte. Schon damals hat es ihm dort sehr gefallen und auch diesesmal wurden wir sehr herzlich willkommen geheißen und durften im Hof unser Zelt aufschlagen. Viel hat sich seither hier getan. Manches sah trotzdem noch so aus wie damals. Nach einem Tag Auto putzen und umräumen und einem gemütlichen Sonntag freuten wir uns rießig die zwei Bleichgesichter in Empfang nehmen zu können.

Vor lauter Trasch und Klatsch wurde ein unerwünschtes Foto von uns geschossen und wir mussten Strafe zahlen. Unser erstes Ziel war der hochgelobte South Luangwa Nationalpark im Osten des Landes. Das erste mal in Afrika vielen Desi fast die Augen aus dem Kopf bei all dem Anderen und Ungewöhnlichem. Zig Esel- und Ochsenkarren, lachende und winkende Kinder und die Landschaft wurden unzählige male fotografiert. Die Anreise dauerte zwei volle Tage und führte uns durch das Luangwatal über Straßen die immer kleiner wurden, bis nur noch ein Motoradpfad zu sehen war. Die Freundlichkeit der Sambianer wurde uns hier nochmals deutlich bewusst. Trotz einfacher Lebensweise wird hier Weniger gebettelt und trotzdem sind die Menschen sehr herzlich. Unsere Piste führte uns eine ganze Weile entlang der Nationalparkgrenze und so konnten wir schon hier mit der Safari beginnen! Elefanten, Giraffen, Zebras, Warzenschweine, Antilopen und Hippos sind hier ohne Parkgebühr zu bewundern. Vier Nächte verbrachten wir hier am schönen Wasserlauf des Luangwas. Matze und Desi durften sogar einen Löwen auf ihrem Nightdrive, einer geführten Safarifahrt nach Sonnenuntergang, sehen. Gemeinsam machten wir uns am nächsten Tag früh morgens auf in den Park, um in den Morgenstunden die besten Chancen auf faszinierende Tierbeobachtung zu bekommen. Und wir wurden nicht enttäuscht. Zwei Hippos ganz dicht vor dem Wagen, Giraffen in wurfweite und ein paar Sekunden ein Leopard gehörten zu den besonderen Momenten. Doch am faszinierendsten war eine Hyäne. Von weitem hat sie Matze entdeckt und langsam haben wir uns genähert. Zuerst sah es aus, als liegt sie faul im Gras, doch nachdem alle anderen Safariautos weitergezogen waren schleppte sie ihre Beute über die Ebene. Direkt vor usnerem Auto musste sie ihren Fleischfetzten noch vor den Geiern verteidigen, bevor sie im Gestrüpp verschwand. Und jetzt zurück zur Überschrift. Um die beste Aussicht genießen zu können saßen wir Jungs auf dem Autodach. Vom unerwarteten Bremsen überrascht, bewies Matthias uns wiedereinmal seine akrobatischen Fähigkeiten. Im Salto segelte er über die Motorhaube, schaffte es dort noch das Fernglas unbeschädigt abzulegen bevor er auf den Beinen landete. Ohne Blessuren kam er allerdings nicht davon. Doch zum Glück war die Elefantenherde gerade vorbeigekommen und wir konnten ihn in Ruhe verarzten und verbinden. Wir sind sehr froh dass nichts ersthaftes passiert ist und Matthias mit einigen Schnitten und Schürfwunden davongekommen ist. 
Nach einer ruhigen Mittagspause war es uns kurz vor Abend nochmals vergönnt einen Leoparden zu sichten. Und nur wenige Meter vor dem Parktor wurden wir ganz zum Schluss noch von einem Rudel Wildhunde überrascht. Wohl nicht nur wir waren überrascht, sondern auch ein Hippo kam wohl zwischen die Bande und wurde unsanft weggejagt.

Das nächste Ziel sollte der Lower Zambesi Nationalpark werden. Doch leider wollte das Auto nicht. Mist.

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13. Mai: Transit

Tansania
vom Bürgerkrieg erholt

Das Land das eigentlich gar nicht geplant war: Angola. Aufgrund der Sicherheitslage unserer ursprünglich geplanten Strecke durch den Kongo mussten wir umplanen. Die alternative führt einem von Nord nach Süd durch Angola. Leider ist das Visum für Angola eines der am schwersten zu bekommenden auf der gesamten Strecke und wir waren wirklich froh ein Transitvisum in Point Noire bekommen zu haben. 5 Tage haben wir allerdings nur Zeit die über 1000km durchs Land zurückzulegen. Und schon nach der Grenze waren es nur noch viereinhalb. Dabei gefällt uns das Land sehr! Die Leute sind freundlich und die Landschaft faszinierend. Einsame Sandstrände im Norden, ein riesiger Schiffsfriedhof vor den Toren Luandas, die für Ausländer teuerste Hauptstadt der Welt (wenn man nicht sein Geld auf dem Schwarzmarkt tauschen kann), steile Küstenabschnitte im Süden, die karge und endlose Wüste Namib und das deutlich kühlere Hochplateau nach einem sagenhaften Pass. Hätten wir doch nur mehr Tage gehabt, hätten wir noch so viel entdecken und erleben können. So sind wir dafür deutlich früher als gedacht in Namibia angekommen und haben dort nun eine starke Woche Zeit um im Norden entlang der Grenze zu Angola Richtung Osten zu fahren. Schon auf den letzten Kilometern in Angola wurde unser Kühlwasserproblem immer deutlicher. Die letzten tausend Kilometer haben wir immer morgens ca. einen halben Liter Kühlwasser nachgefüllt und dann wurden es plötzlich zwei Liter. Schon in Nigeria hatten wir gesehen, dass die Wasserpumpe leckt, aber da wir nirgends eine vertrauenserweckende Werkstatt gefunden haben beziehungsweise schlicht keine Zeit hatten, blieb das Leck in der Pumpe und wir füllten jeden Tag Wasser nach. Auch die Lenkung hatte seit Angola ?? und musste dringend repariert werden. Von Freunden wurde uns eine Werkstatt in Namibia kurz nach der Grenze empfohlen, die beste Arbeit geliefert hat und alles innerhalb kurzer Zeit repariert und getauscht hat.

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