26. Juni

Tierparadies



Johnsen kennt sie alle

2016 töteten Wilderer 1000 Nashörener allein in Südafrika. Die Tiere stehen daher auf der roten Liste der vom aussterben bedrohten Tiere. Die wenigen verbleibenden Nashörner in Sambia genießen daher höchste Bewachung. 24/7 sind bewaffnete Ranger in der Nähe. Im Lusaka Nationalpark dürfen die beiden Breitmaulnashörner an normalen Tagen in ihren großen Freilauf, am Wochenende und an Feiertagen werden sie dagegen im kleinen Gehege gehalten, um besser von Touristen gesehen werden zu können. Für uns machte es daher eher den Eindruck eines Zoos, als eines Nationalparks. Beeindruckend war aber die Nähe, die wir zu den riesigen Tieren haben konnten. Selbst streicheln ließ sich das Weibchen der beiden. Nashörner sind wohl auch das am schwersten in freier Wildbahn zu sehende Tier der Big Five (Elefant, Büffel, Nashorn, Löwe und Leopard). Im sonst so Tierreichen Chobe Nationalpark gibt es leider keine. Um Gerhards Wunsch auf die BigFive zu erfüllen, begann unser Safariurlaub mit den beiden bereits in Sambia. In Livingston erstreckt sich der kleine Nationalpark „…“ entlang des Sambesi. Die Besonderheit des Parks: freilebende Nashörner, zu denen man mit den Rangern zu Fuß begleitet wird. Bis wir allerdings die Ranger gefunden hatten war einiges Zick-Zack-Fahren nötig ;-) Aber es hat sich gelohnt. Bis auf 10 Meter konnten wir an ein männliches Breitmaulnashorn heranlaufen und es beim „faul-unter-dem-Baum-liegen“ fotografieren. Auch die ersten einzelne Büffel, Antilopen und Zebras gab es hier zu sehen.
Das dritte der BigFive gab es bereits am nächsten Abend auf dem Evening-Boatscruise zu sehen: Elefanten. Bekannt ist der Chobe Nationalpark für seine großen Herden von Tieren. Hatten wir bisher noch keine Giraffen entdeckt änderte sich dies nach einer Kurve. Über die weite Ebene hin konnten wir zig Giraffen, einige Elefanten, Zebras und Impalas bewundern.  War Samuel sich anfangs nicht sicher, ob es denn überhaupt Zebras im Chobe gäbe, sind wir uns jetzt sicher, es gibt sie. Und zwar zu Hauf. Die erste Nacht im Nationalpark verbrachten wir auf einem Campingplatz im Park. Sahen wir die Büffelherde am Vorabend noch am Fluss, durchstreiften die unzähligen Tiere am nächsten Morgen das Camp. Hunderte Büffel schauten uns mit ihren treudoofen Riesenaugen an, als wir morgens noch schnell aufs Klo wollten.
Jetzt fehlten also noch die beiden Katzen, um die BigFive gesehen zu haben. Schon auf dem Weg zum Savuti entdeckten wir die ersten Löwen unter einem Busch am Wegrand. Faul lag dort ein Männchen mit zwei Weibchen. Weitere Löwen entdeckten wir am Wasserloch und auf dem Weg dorthin. In einem genialen Morning-Drive bekamen Gerhard und Birgitt dann auch noch Geparden und eine Leopardin zu Gesicht. Wir leider nicht. Dafür hatten wir ein spannendes Erlebnis abends am Lagerfeuer. Wir hatten zufällig zwei Schweizer am Gate zum Chobe getroffen und tags drauf trafen wir sie im gleichen Campingplatz wieder vor. Spontan blieben wir zum gemeinsamen Abendessen auf ihrem Campesite. Das ferne Löwengebrüll wurde immer lauter und fast ständig leuchtete einer von uns ins Gebüsch, aus Angst, die Löwen würden gleich bei uns sein. Plötzlich berührte Hannah etwas an den Beinen und als ich hin leuchtete sprangen wir alle auf. Nur Hannah blieb erstarrt sitzen. Genau zwischen ihren Füßen hatte eine giftige Puffotter eine Maus geschnappt und fing an sie zu verschlingen. Der Abend war für uns gelaufen. Löwen und Schlangen zu nah ;-).
Wildhunde hatten uns schon in Sambia fasziniert. Sie sind noch mehr vom Aussterben bedroht als Nashörner. Umso mehr freuten wir uns sie im Moremi Nationalpark morgens in Khwai zu entdecken. Ein paar Minuten konnten wir die Tiere verfolgen bevor wir sie in den Busch ziehen lassen mussten. Am Nachmittag erzählten uns die Ranger dann, dass die Wildhunde nur eine knappe halbe Stunde später ein Impala direkt an der Brücke gerissen hatten. Etwas ärgerten wir uns dieses Spektakel verpasst zu haben. Der Abenddrive war leider wieder erfolglos und wir kamen früher als gedacht ins Camp zurück und fanden die Windhunde nochmals jagend vor. Dieses mal wollten wir den Riss nicht verpassen. Also fuhren wir kreuz und quer die Wege entlang um die Hunde nicht zu verlieren. Doch dauerte es nicht allzu lang, dann waren sie weg. Frustriert fuhren wir zum Camp zurück. Und keine 10m von unserem  Zelt entfernt zankten sich die 12 Wildhunde um die letzten Fetzten. Einer verteidigte den Kopf, andere kauten auf den Knochen rum. Absolut faszinierend. Auf ein Feuer wollten wir diesen Abend dann auch nicht verzichten…

 

15. Juli: Kalahari

Tansania
Back home

Nach vier Wochen, in denen wir zu viert unterwegs waren, heißt es nun die letzten 8 Wochen wieder alleine zu bestreiten. Glücklicherweise waren wir gar nicht so alleine wie gedacht. Melanie und Thomas, die wir schon davor im Nationalpark getroffen hatten, haben uns in den nächsten Tagen Gesellschaft geleistet. Direkt am Fluss lag der kleine und belebte Campingplatz. Wir hatten genug Zeit um Einkäufe zu erledigen, die weitere Route zu planen, zum Quatschen und aufräumen. Wir machten uns bereits eine Nacht vor Thomas und Melanie auf die Fahrt in das Zentral Kalahari Game Reserve. Es bedeckt eine Fläche von 52800km² und ist somit das größte unter Naturschutz stehende Gebiet Afrikas. Wer glaubt das die Kalahari von Sand bedeckt ist, wie man das von einer Wüste erwartet, irrt sich. Die Vegetation ist vor allem von Savanne und Buschlandschaft geprägt, das faszinierende sind die (Salz-) Pfannen die sich immer wieder kilometerweit in der Ebene erstrecken. Eine Weite und Stille wie wir sie sonst fast nie erlebt haben. Hier verbrachten wir zwei schöne Nächte mit Melanie und Thomas und auch wenn wir weder Löwen noch Leoparden zu Gesicht bekommen haben, haben uns die seltenen Erdwölfe, die Löffelhunde und der atemberaubende Sonnenuntergang voll und ganz beeindruckt.
Ca.3h südlich von Maun liegt das kleine Städtchen Rakops. Samuel hat hier während seiner Zeit in Botswana geholfen eine Schule zu bauen. Unsere Anlaufstelle war John Walters und seine Familie. Gleich der Empfang war herzlich-turbulent afrikanisch. John ist mittlerweile verheiratet und hat zwei kleine Töchter (Joanna 3, Hannah 6 Monate). Der ganze Hof wimmelte von spielenden Kindern, einige Männer saßen auf der Terrasse und im Wohnzimmer versuchte die Haushälterin zwischen all den tausend Spielsachen und den Frauen sauber zu machen. Und obwohl wir gerade vom Mittagessen kamen, konnten wir das Mittagessen von Johns Frau nicht ausschlagen. 3 Tage bei einer "afrikanischen" Familie (John ist Brite lebt aber seit 30 Jahren als Missionar in Botswana) mitzuerleben war für uns total spannend. Neben der Rundumversorgung gehörten auch das Kinderhüten, Rasenmähen und der einheimische Gottesdienst zum Programm.

Unserem normalen Rhythmus folgend, standen wir auch an diesem Sonntag um 7 auf. Nach einem ausgiebigen Frühstück und einigen Seiten lesen, machten wir uns zu Fuß auf in den Gottesdienst einmal quer durchs Dorf und Samuel entdeckte sogar seine kleine Hütte in der er 2009 wohnte. Das wir um 10:20 (10:30 ist Gottesdienst beginn) noch die einzigen an der Schule waren, wunderte uns nicht. Wir nutzten die Zeit und schauten uns die Schule an, an der Samuel mitgeholfen hatte. Als dieser Rundgang allerdings nach 20 Minuten erledigt war, lies sich noch immer niemand blicken. So saßen wir in der Sonne und warteten und warteten. "Sie hätten uns ja wohl Bescheid gegeben wenn der Gottesdienst ausfällt, meinst du nicht??" Um 11:15 trudelte dann als erster John mit seiner Familie und einer Schar Kinder ein. Ganze eineinhalb Stunden später haben wir mit dem erstenn Lied begonnen, wer jedoch glaubt, dass da alle schon da waren täuscht sich. Fast während des gesamten Gottesdienstes kamen noch welche dazu, Afrika eben. Zurück zu Hause genossen wir um 15:00 unser Mittagessen: Maisbrei mit Hühnchen. Wenn der Gottesdienst eben erst um 14:00 aus ist verschiebt sich natürlich auch das Mittagessen. Auch am Nachmittag waren wieder etliche Kinder zum Spielen da und sorgten für Stimmung. Gegen Abend, als sich Joanna endlich von ihrer letzten Freundin trennen musste, sie drehten ungefähr drei Runden mit ihren Mütter von Hoftor zum Kinderzimmer bis die zwei Mädels sich endlich dazu überreden ließen , kehrte endlich etwas Ruhe ein. Anschließend genossen wir den Abend in der Familie. Samuel zeigte Joanna unsere Tierbilder und lies sie raten wie die Tiere heißen und Hannah versuchte die kleine Hannah in den Schlaf zu singen was ihr nach einiger Zeit sogar gelang.

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25. Juni: Elternbesuch

Tansania
von den Victoriafalls bis nach Maun

Doch bevor sie gehen konnten mussten sie erstmal kommen. Und sie ließen auf sich warten. Hannah wurde schon richtig nervös am Flughafen, als immer mehr Gäste den Flughafen verließen, aber es von den Eltern keine Spur gab. Als letztes in der Zoll-Schlange hat es einfach kurz gebraucht. Und dann war das Wiedersehen umso herzlicher! Am Tag zuvor hatten wir schon mal alles ausgecheckt , wo liegt ihr Hotel, wo gibt es ein nettes Restaurant fürs Abendessen und wo können wir am besten Souvenirs shoppen. Fürs Auto gabs noch neue Gummis für die Stoßdämpfer und für uns einen netten Campingplatz. Wie kleine Tourguides haben wir uns dann gefühlt, als wir die zwei voller Stolz rumführten und ihnen bei einer Village-Tour, einem geführten Dorfrundgang, Afrika näherbringen konnten. Von ihrem Hotel aus konnten wir zu Fuß und ohne Eintritt die unglaublichen und spektakulären Victoriafälle besuchen. Eins der 7 Naturweltwunder lohnt jeden Besuch. Die Gischt ist schon Kilometer vorher zu sehen und an manchen Stellen des Rundweges fühlt man sich wie im Platzregen oder im tropischen Regenwald. Selbst einen Doppelregenbogen kann man bestaunen. Unglaublich wieviel Wasser hier, bis zu 100 Meter hinab stürzen. Die Sambianer sind excelente Holzschnitzer und so mussten wir UND die Beiden das ein oder andere Souvenir einkaufen. An Samuels Geburtstag stand dann noch eine Herausforderung auf dem Reiseplan: der Fähr-Grenzübergang bei Kanzungula. Berüchtigt für die komplizierte Abwicklung und unzähligen Schlepper machte er uns etwas Kopfschmerzen. Als 31. Grenzposten unserer Reise unterschied er sich doch nicht von vielen anderen Westafrikanischen. Viel schneller und unkomplizierter als gedacht waren wir durch und warteten auf die Fähre. Doch anstatt fünf, war heute nur eine einzige Fähre in Betrieb und als wir an der Reihe waren überzusetzten hatte sie „plötzlich“ einen Pumpenschaden. Den Gerüchten nach waren wohl die Chefs des Fährbetriebes gerade zu Besuch und ihnen musste vorgegaukelt werden, wie wenig doch zu verdienen sei. Nicht dass die geringen Einnahmen in Frage gestellt würden. Nur 13 LKWs schafften sie deshalb an einem Tag. Die Schlange war dementsprechend lang und bis zu einer Woche Wartezeit für die Trucker wohl normal. Wir schafften es zum Glück auf die nächste „Ersatzfähre“.
Ein Geburtstagsgeschenk erreichte uns per Mail. Samuels Bewerbung zum Master „Energieeffizientes und umweltbewusstes Bauen“ in München war erfolgreich! Ab Herbst werden wir daher für mindestens zwei Jahre dorthin ziehen. Jetzt heißt es einen Job für Hannah und eine gemütliche Wohnung zu finden. Über Hilfe und Tipps freuen wir uns!!!
Schon 2009 hatte Samuel die Chobe River Lodge beeindruckt. Das große offene reetgedeckte Holzdach überspannt, direkt am Chobe-Fluss, das Restaurant in dem wir ein fantastisches Buffett genießen durften. Impalafleisch, Fisch und alles was das Herz begehrt. Mindestens sieben mal ist Samuel gelaufen um Nachschlag zu holen ;-)
Bisher sind wir zu viert im Auto unterwegs gewesen, aber ab Kasane hatten Gerhard und Birgitt einen Mietwagen. Einen fetten Ford Ranger. Als Kolonne konnten wir so in die Wildniss der Nationalparks vordringen. Die erste Nacht im Chobe Nationalpark war spannend, da wir unser Dachzelt räumten und den beiden überließen. Mitten im Busch unter einem fantastischen Sternenhimmel verbrachten wir die Nacht. Hyänen umschlichen abends das Lager und morgens durchzog eine Büffelherde mit einigen hundert Tieren das Camp! Aber die Wildniss hat auch seinen Preis. Auf Luxus muss weitgehendst verzichtet werden und die Straßen sind schlecht und teilweise tiefsandig. Als Offroadanfänger und mit geringer Bodenfreiheit blieb es nicht aus, im Sand stecken zu bleiben. Etwas weiter gab es einen platten Reifen und die Krönung machte eine Brückenüberfahrt kurz vor Kwhai, dem Eingang zum Moremi Gamereserv. Die spannende Holzkonstruktion mangelte schon etwas an Vertrauen in die Sicherheit und war dazu so schmal, dass die Reifen rechts und links streiften. Und mit der Anfahrschwierigkeit verwechselt hing das Auto plötzlich mit einem Rad über dem Geländer. Wie bekommt man so ein Auto wieder zurück auf die Spur? Aber Afrikaner sind bekanntlich Meister des Improvisierens und da einige zufällig da waren, war schnell ein Lösungsversuch gefunden. Das Auto Aufbocken, das Vorderrad drehen, sodass es das Geländer zufassen bekommt und mit einem zweiten Wagen nach hinten wegziehen war die Lösung. Glücklicherweise kam just zur rechten Zeit der Guide der nächsten Unterkunft vorbei und half seinen neuen Gästen gleich mal aus der Patsche. Ohne Schaden haben wir dieses Abenteuer afrikanisch gemeistert! Die nächsten Brückenüber- und Wasserdurchquerungen waren dann ein Kinderspiel.
Leider schlitzen wir unseren Landy Reifen kurz vor Parkausgang dann noch auf und mussten somit unsere erste Reifenpanne auf den bisherigen 30000km verbuchen. Da auch der zweite Reifen schwächelte und auch die beiden vorderen an Profil zu wünschen übrig ließen gabs in Maun kurzerhand einen Satz (teure) neue Reifen. Hoffentlich haben wir für den Rest der Reise damit keine Probleme mehr.
Der Rest der gemeinsamen Reise und vor allem etwas zur Tierwelt gibt es im nächsten Eintrag. Sonst hätten wir euch einige schöne Tierbilder vorenthalten müssen. Ihr dürft euch darauf freuen!

 

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