25. Juni

Elternbesuch



Jetzt sind sie weg weg
Und wir sind wieder allein, allein
Sie sind weg weg
Davor war’s schöner allein zu sein
Jetzt sind sie weg weg
Und wir sind wieder allein, allein
Sie sind weg weg

alias Fanta 4

von den Victoriafalls bis nach Maun

Doch bevor sie gehen konnten mussten sie erstmal kommen. Und sie ließen auf sich warten. Hannah wurde schon richtig nervös am Flughafen, als immer mehr Gäste den Flughafen verließen, aber es von den Eltern keine Spur gab. Als letztes in der Zoll-Schlange hat es einfach kurz gebraucht. Und dann war das Wiedersehen umso herzlicher! Am Tag zuvor hatten wir schon mal alles ausgecheckt , wo liegt ihr Hotel, wo gibt es ein nettes Restaurant fürs Abendessen und wo können wir am besten Souvenirs shoppen. Fürs Auto gabs noch neue Gummis für die Stoßdämpfer und für uns einen netten Campingplatz. Wie kleine Tourguides haben wir uns dann gefühlt, als wir die zwei voller Stolz rumführten und ihnen bei einer Village-Tour, einem geführten Dorfrundgang, Afrika näherbringen konnten. Von ihrem Hotel aus konnten wir zu Fuß und ohne Eintritt die unglaublichen und spektakulären Victoriafälle besuchen. Eins der 7 Naturweltwunder lohnt jeden Besuch. Die Gischt ist schon Kilometer vorher zu sehen und an manchen Stellen des Rundweges fühlt man sich wie im Platzregen oder im tropischen Regenwald. Selbst einen Doppelregenbogen kann man bestaunen. Unglaublich wieviel Wasser hier, bis zu 100 Meter hinab stürzen. Die Sambianer sind excelente Holzschnitzer und so mussten wir UND die Beiden das ein oder andere Souvenir einkaufen. An Samuels Geburtstag stand dann noch eine Herausforderung auf dem Reiseplan: der Fähr-Grenzübergang bei Kanzungula. Berüchtigt für die komplizierte Abwicklung und unzähligen Schlepper machte er uns etwas Kopfschmerzen. Als 31. Grenzposten unserer Reise unterschied er sich doch nicht von vielen anderen Westafrikanischen. Viel schneller und unkomplizierter als gedacht waren wir durch und warteten auf die Fähre. Doch anstatt fünf, war heute nur eine einzige Fähre in Betrieb und als wir an der Reihe waren überzusetzten hatte sie „plötzlich“ einen Pumpenschaden. Den Gerüchten nach waren wohl die Chefs des Fährbetriebes gerade zu Besuch und ihnen musste vorgegaukelt werden, wie wenig doch zu verdienen sei. Nicht dass die geringen Einnahmen in Frage gestellt würden. Nur 13 LKWs schafften sie deshalb an einem Tag. Die Schlange war dementsprechend lang und bis zu einer Woche Wartezeit für die Trucker wohl normal. Wir schafften es zum Glück auf die nächste „Ersatzfähre“.
Ein Geburtstagsgeschenk erreichte uns per Mail. Samuels Bewerbung zum Master „Energieeffizientes und umweltbewusstes Bauen“ in München war erfolgreich! Ab Herbst werden wir daher für mindestens zwei Jahre dorthin ziehen. Jetzt heißt es einen Job für Hannah und eine gemütliche Wohnung zu finden. Über Hilfe und Tipps freuen wir uns!!!
Schon 2009 hatte Samuel die Chobe River Lodge beeindruckt. Das große offene reetgedeckte Holzdach überspannt, direkt am Chobe-Fluss, das Restaurant in dem wir ein fantastisches Buffett genießen durften. Impalafleisch, Fisch und alles was das Herz begehrt. Mindestens sieben mal ist Samuel gelaufen um Nachschlag zu holen ;-)
Bisher sind wir zu viert im Auto unterwegs gewesen, aber ab Kasane hatten Gerhard und Birgitt einen Mietwagen. Einen fetten Ford Ranger. Als Kolonne konnten wir so in die Wildniss der Nationalparks vordringen. Die erste Nacht im Chobe Nationalpark war spannend, da wir unser Dachzelt räumten und den beiden überließen. Mitten im Busch unter einem fantastischen Sternenhimmel verbrachten wir die Nacht. Hyänen umschlichen abends das Lager und morgens durchzog eine Büffelherde mit einigen hundert Tieren das Camp! Aber die Wildniss hat auch seinen Preis. Auf Luxus muss weitgehendst verzichtet werden und die Straßen sind schlecht und teilweise tiefsandig. Als Offroadanfänger und mit geringer Bodenfreiheit blieb es nicht aus, im Sand stecken zu bleiben. Etwas weiter gab es einen platten Reifen und die Krönung machte eine Brückenüberfahrt kurz vor Kwhai, dem Eingang zum Moremi Gamereserv. Die spannende Holzkonstruktion mangelte schon etwas an Vertrauen in die Sicherheit und war dazu so schmal, dass die Reifen rechts und links streiften. Und mit der Anfahrschwierigkeit verwechselt hing das Auto plötzlich mit einem Rad über dem Geländer. Wie bekommt man so ein Auto wieder zurück auf die Spur? Aber Afrikaner sind bekanntlich Meister des Improvisierens und da einige zufällig da waren, war schnell ein Lösungsversuch gefunden. Das Auto Aufbocken, das Vorderrad drehen, sodass es das Geländer zufassen bekommt und mit einem zweiten Wagen nach hinten wegziehen war die Lösung. Glücklicherweise kam just zur rechten Zeit der Guide der nächsten Unterkunft vorbei und half seinen neuen Gästen gleich mal aus der Patsche. Ohne Schaden haben wir dieses Abenteuer afrikanisch gemeistert! Die nächsten Brückenüber- und Wasserdurchquerungen waren dann ein Kinderspiel.
Leider schlitzen wir unseren Landy Reifen kurz vor Parkausgang dann noch auf und mussten somit unsere erste Reifenpanne auf den bisherigen 30000km verbuchen. Da auch der zweite Reifen schwächelte und auch die beiden vorderen an Profil zu wünschen übrig ließen gabs in Maun kurzerhand einen Satz (teure) neue Reifen. Hoffentlich haben wir für den Rest der Reise damit keine Probleme mehr.
Der Rest der gemeinsamen Reise und vor allem etwas zur Tierwelt gibt es im nächsten Eintrag. Sonst hätten wir euch einige schöne Tierbilder vorenthalten müssen. Ihr dürft euch darauf freuen!

 

26. Juni: Tierparadies

Tansania
Johnsen kennt sie alle

2016 töteten Wilderer 1000 Nashörener allein in Südafrika. Die Tiere stehen daher auf der roten Liste der vom aussterben bedrohten Tiere. Die wenigen verbleibenden Nashörner in Sambia genießen daher höchste Bewachung. 24/7 sind bewaffnete Ranger in der Nähe. Im Lusaka Nationalpark dürfen die beiden Breitmaulnashörner an normalen Tagen in ihren großen Freilauf, am Wochenende und an Feiertagen werden sie dagegen im kleinen Gehege gehalten, um besser von Touristen gesehen werden zu können. Für uns machte es daher eher den Eindruck eines Zoos, als eines Nationalparks. Beeindruckend war aber die Nähe, die wir zu den riesigen Tieren haben konnten. Selbst streicheln ließ sich das Weibchen der beiden. Nashörner sind wohl auch das am schwersten in freier Wildbahn zu sehende Tier der Big Five (Elefant, Büffel, Nashorn, Löwe und Leopard). Im sonst so Tierreichen Chobe Nationalpark gibt es leider keine. Um Gerhards Wunsch auf die BigFive zu erfüllen, begann unser Safariurlaub mit den beiden bereits in Sambia. In Livingston erstreckt sich der kleine Nationalpark „…“ entlang des Sambesi. Die Besonderheit des Parks: freilebende Nashörner, zu denen man mit den Rangern zu Fuß begleitet wird. Bis wir allerdings die Ranger gefunden hatten war einiges Zick-Zack-Fahren nötig ;-) Aber es hat sich gelohnt. Bis auf 10 Meter konnten wir an ein männliches Breitmaulnashorn heranlaufen und es beim „faul-unter-dem-Baum-liegen“ fotografieren. Auch die ersten einzelne Büffel, Antilopen und Zebras gab es hier zu sehen.
Das dritte der BigFive gab es bereits am nächsten Abend auf dem Evening-Boatscruise zu sehen: Elefanten. Bekannt ist der Chobe Nationalpark für seine großen Herden von Tieren. Hatten wir bisher noch keine Giraffen entdeckt änderte sich dies nach einer Kurve. Über die weite Ebene hin konnten wir zig Giraffen, einige Elefanten, Zebras und Impalas bewundern.  War Samuel sich anfangs nicht sicher, ob es denn überhaupt Zebras im Chobe gäbe, sind wir uns jetzt sicher, es gibt sie. Und zwar zu Hauf. Die erste Nacht im Nationalpark verbrachten wir auf einem Campingplatz im Park. Sahen wir die Büffelherde am Vorabend noch am Fluss, durchstreiften die unzähligen Tiere am nächsten Morgen das Camp. Hunderte Büffel schauten uns mit ihren treudoofen Riesenaugen an, als wir morgens noch schnell aufs Klo wollten.
Jetzt fehlten also noch die beiden Katzen, um die BigFive gesehen zu haben. Schon auf dem Weg zum Savuti entdeckten wir die ersten Löwen unter einem Busch am Wegrand. Faul lag dort ein Männchen mit zwei Weibchen. Weitere Löwen entdeckten wir am Wasserloch und auf dem Weg dorthin. In einem genialen Morning-Drive bekamen Gerhard und Birgitt dann auch noch Geparden und eine Leopardin zu Gesicht. Wir leider nicht. Dafür hatten wir ein spannendes Erlebnis abends am Lagerfeuer. Wir hatten zufällig zwei Schweizer am Gate zum Chobe getroffen und tags drauf trafen wir sie im gleichen Campingplatz wieder vor. Spontan blieben wir zum gemeinsamen Abendessen auf ihrem Campesite. Das ferne Löwengebrüll wurde immer lauter und fast ständig leuchtete einer von uns ins Gebüsch, aus Angst, die Löwen würden gleich bei uns sein. Plötzlich berührte Hannah etwas an den Beinen und als ich hin leuchtete sprangen wir alle auf. Nur Hannah blieb erstarrt sitzen. Genau zwischen ihren Füßen hatte eine giftige Puffotter eine Maus geschnappt und fing an sie zu verschlingen. Der Abend war für uns gelaufen. Löwen und Schlangen zu nah ;-).
Wildhunde hatten uns schon in Sambia fasziniert. Sie sind noch mehr vom Aussterben bedroht als Nashörner. Umso mehr freuten wir uns sie im Moremi Nationalpark morgens in Khwai zu entdecken. Ein paar Minuten konnten wir die Tiere verfolgen bevor wir sie in den Busch ziehen lassen mussten. Am Nachmittag erzählten uns die Ranger dann, dass die Wildhunde nur eine knappe halbe Stunde später ein Impala direkt an der Brücke gerissen hatten. Etwas ärgerten wir uns dieses Spektakel verpasst zu haben. Der Abenddrive war leider wieder erfolglos und wir kamen früher als gedacht ins Camp zurück und fanden die Windhunde nochmals jagend vor. Dieses mal wollten wir den Riss nicht verpassen. Also fuhren wir kreuz und quer die Wege entlang um die Hunde nicht zu verlieren. Doch dauerte es nicht allzu lang, dann waren sie weg. Frustriert fuhren wir zum Camp zurück. Und keine 10m von unserem  Zelt entfernt zankten sich die 12 Wildhunde um die letzten Fetzten. Einer verteidigte den Kopf, andere kauten auf den Knochen rum. Absolut faszinierend. Auf ein Feuer wollten wir diesen Abend dann auch nicht verzichten…

 

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10. Juni: Lower Sambesi

Tansania
und mal wieder Werkstatt

Die Grand-East-Road wurde in Abschnitten erst kürzlich durch europäische Entwicklungshilfe erneuert und dementsprechend war die Fahrt vom South Luangwa Nationalpark zurück nach Lusaka zuerst recht ruhig. Der Plan war etwa 70km vor der Hauptstadt nach Süden abzubiegen und eine etwas anspruchsvollere Strecke bis zum Sambesi zu meistern. Nach einer ruhigen Nacht irgendwo neben der Straße übernahm Hannah am nächsten Morgen das Steuer. Je nachdem wo man in unserem doch schon etwas in die Jahre gekommenen Landyfanten sitzt, hört sich alles anders an. Überall Klopft, Kratzt und Scheppert es. Hannah meinte noch, ob das Schlagen an diesem Morgen normal sei, aber wir hatten schon zu viele ungelöste Geräusche, dass wir es nicht weiter beachteten. Um die Raser etwas abzubremsen ist es auf den geteerten Straßen üblich schlafende Polizisten – Speed Bumps – einzubauen. Je nach Ausführungsart kann man diese schneller oder nicht so schnell überfahren. Nimmt man sie zu schnell fliegt alles im Auto hin und her. Doch dank Stoßdämpfer fängt sich das Auto normal schnell wieder. Doch an diesem Morgen war es anders. Zuerst hüpfte es ganz leicht vorne nach, bis es nach dem soundsovielten Huppel nicht mehr aufhören wollte mit hüpfen. Ein weiterfahren war kaum möglich und irgendetwas stimmte da gewaltig nicht mehr. Also hieß es anhalten und nachschauen. Und Mist, beide Stoßdämpfer vorne waren ausgebrochen, links sogar komplett mit Halterung und zusätzlich war die Feder hinten links gebrochen. Umplanen und ab in die Werkstatt nach Lusaka. Im Kriechtempo ging es die letzten Kilometer zu Carsten in die Werkstatt. Die Kommunikation war auf Deutsch einfach und das Problem schnell analysiert. Die Werkstatt lag nur wenige Kilometer von Flying Mission entfernt und so waren wir schneller wieder dort als gedacht. Aber wenigstens hatten die Mädels ein wunderschönes Gelände zum Entspannen, während Matthias und Samuel fleißig am Auto schrauben konnten. Carsten hatte so viel zu tun, dass er uns erst weiterschicken wollte, aber da wir anboten selbst schrauben zu können stellte er uns einen Schweißer an die Seite und schaute ab und zu vorbei um Tipps zu geben. Die Halterung für die Stoßdämpfer wurde aufwändig geschweißt und ist jetzt besser als zuvor. Und zwei Tage später konnte der Urlaub fortgesetzt werden. Diesmal wählten wir die gut ausgebaute Straße und so waren wir nach knapp 3 Stunden schon am Campingplatz. Schön unter Bäumen direkt am Kafue (kurz oberhalb der Mündung in den Sambesi) schlugen wir unsere Zelte für die nächsten 3 Nächte auf. Nochmals die Chance auf besondere Tierbeobachtung diese mal aus einer anderen Perspektive, wir chartern ein Boot. Den „Mighty-Sambesi“ ging es hinunter bis in den Nationalpark Lower Sambesi, vorbei an unzähligen Hippos, Krokodilen, Wasserböcken, bunten Vögel und planschenden Elefanten. Alles aus nächster Nähe vom Boot aus war ein unglaublich spannendes Erlebnis. Vor allem die im Wasser badenden und tobenden Elefanten haben uns beeindruckt. Sie ließen sich von unserer Anwesenheit kaum 10m entfernt nicht stören und ließen sich ins Wasser fallen, kämpften mit den Rüsseln und Stoßzähnen und genossen sichtlich ihr Leben. Und schneller als erhofft mussten wir die zwei dann schon wieder auf den Flughafen bringen. Schön wars mit euch!
Für uns geht’s weiter Richtung Livingston um dort Hannahs Eltern in 2 Tagen vom Flughafen abzuholen. Auch darauf freuen wir uns schon sehr!

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