15. April

Ringroad



im Grasland unterwegs

Mit zwei Autos, besonders mit zwei Landyfanten, unterwegs zu sein gibt Sicherheit. Und zu Viert zu reisen macht Spaß und so war es keine lange Überlegung mit Laura und Cemil gemeinsam weiter Richtung Kamerun zu reisen. Die Grenzformalitäten liefen wie gewohnt eher langsam und gemütlich und schleppten sich bis in die Dunkelheit. Aber wir fanden, dank Tipp, einen schönen Platz am See Awing. Die Entscheidung welche Route wir gemeinsam erkunden wollten war schnell getroffen. Die sogenannte „Ring Road“ soll eines der Highlights in Kamerun sein. Die Ring Road liegt im Westen Kameruns und ist knapp 320 Kilometer lang und verläuft wie der Name sagt in einem Kreis. Offiziell heißt dieses Gebiet auch Grasland, eine wie wir finden sehr passende Beschreibung zu diesem unglaublich grünen und wunderschönem Gebiet. So machten wir uns nach der ersten Nacht am See in Richtung Bamenda im Westen Kameruns auf. Kamerun besteht aus dem frankophonen (französisch sprechend) und den anglophonen Teil (englisch sprechend). Dieser Unterschied spaltet das Land. Der anglophone Teil im Westen Kameruns gefällt uns total gut. Die gepflegten Häuser mit Vorgärten, in denen Blumen sprießen, Felder die äußerst akkurat angelegt und bearbeitet werden und ihre fleißige Art passen nicht ganz in unser bisheriges Bild von Afrika. Leider wird dieser Teil des Landes und deren Bevölkerung nicht wirklich vom Rest des Landes wertgeschätzt. Der Präsident versucht alles um diesen Teil Kameruns zu unterdrücken und „seinen Teil“ der Bevölkerung zu bevorzugen. Seit einiger Zeit wurde auch das Internet im Westen lahm gelegt, um beginnende Proteste zu unterbinden. Die Bevölkerung im Westen legt daher aus Protest Montags ihre Arbeit nieder. Auch die Schulen und Universitäten sind seid Oktober geschlossen. Eine Traurige und auch bedenkliche Entwicklung, denn wer weiß wie lange die Proteste noch so friedlich bleiben. Diese negative Entwicklung bekommt auch das Kunsthandwerkzentrum „PRESCRAFT“ der Presbytarier in Bali zu spüren. Ein Schweizer Pastor hat dieses Zentrum 1961 gegründet. Neben einem Aufforstungsprogramm und einem Gästehaus gibt es mehrere Verkaufsausstellungen für das gefertigte Kunsthandwerk. In Bali kann man den Handwerkern bei der Arbeit zuschauen und im 20Km entfernten Bamenda die gefertigten Produkte im Shop kaufen. Wir verbrachten eine Nacht in Bali direkt auf dem Gelände der Handwerker. Es war total spannend die Handwerker bei ihrer Arbeit über die Schulter zu sehen und mit ihnen über ihre Arbeit und die Entwicklung des Landes ins Gespräch zu kommen.
Entlang der Ring Road führte uns unser Weg über akzeptable Pisten und wunderschönen Landschaft zum Lake Nyos. Vor allem die Schlammpützen nutzten die Jungs zum planschen mit ihren Autos. Lake Nyos ist ein besondere und geschichtsträchtiger Vulkansee. 1987 kam es dort zu einem tragischen Unglück. Ausgelöst durch einen Erdrutsch wurden 1,7 Millionen Tonnen CO² freigesetzt und so starben über 1700 Menschen und alle Tiere im Umland. Seit 2001 ist ein dickes Rohr bis in 200 Meter Tiefe in Betrieb. Das CO² gesättigte Wasser steigt in dem Rohr nach oben und schießt an der Oberfläche in einer Fontäne heraus. So soll das CO² bis 2021 vollständig abgebaut sein. Die ausströmende Konzentration ist völlig unbedenklich und so verbrachten wir eine ruhige Nacht an diesem total schönen aber krausigem Ort.
Die weitere Fahrt wieder gen Süden führte uns diesesmal über weniger gute Pisten. Und so blieben wir gleich am Vormittag stecken und hatten Mühe bei beginnendem Regen beide Landys sicher über die Pisten zu manövrieren. Bevor jeder Landy mit Besatzung jeweils eigenen Wege geht, schauten wir uns noch gemeinsam eine der größten und bedeutendsten Chefferien (Königspalast) an. Ein Art Stammesführer lebt hier mit seinen unzähligen Frauen (diese werden von König zu König vererbt) und Kindern auf einem großen Gelände. Wir besuchten hier das Museum mit traditionellem Handwerkzeug und warfen einen Blick in das traditionelle Versammlungsgebäude.

20. April: Silberrücken

Tansania
Gorillatracking im Lobeke NP

Es ist Nacht. Über mir kann ich die Silhouette des aus Palmblättern gewobenen Daches unseres Unterschlupfes erkennen. Es ist zwar erst 23 Uhr, aber ich liege nun schon fast 4 Stunden schlaflos hier auf dem Boden. Hannah schlummert endlich neben mir in den Schlafsack gewickelt. Der Dschungel schläft nicht. Unzählige Geräusche dringen an mein Ohr. Grillen zirpen und Frösche quaken. Von fern hört mein Ohr motorähnliches Grunzen, welches von ganz nah neben mir beantwortet wird. Ich weiß nicht was es ist. Ein Frosch? Doch wohl eher was größeres, so laut wie es ist. Vielleicht doch eher irgendwelche Affen, die mich riechen und jetzt kommen??? Die Gedanken lassen den Tag noch einmal Revue passieren. Ganz unafrikanisch waren unser Guide und unser Eco-Guard noch vor uns am ausgemachten Treffpunkt. Doch der Schlüssel zum Waffenschrank fehlte. Aufgrund des nächtlichen Regens war der entsprechende Mitarbeiter bei seiner Freundin im Dorf geblieben und nun muss erstmals ein Motorrad organisiert werden, um ihn abzuholen. Nach einer knappen Stunde sind wir bewaffnet und können los. Besser gesagt unser Eco-Guard ist bewaffnet und mit einer kugelsicheren Weste ausgestattet. Gegen wilde Tiere musste er seine Waffe noch nie einsetzten, aber doch schon gegen Wilderer. Mit dem Auto geht es erstmal 40km in den Urwald. An einem Bach müssen wir das Auto zurücklassen und zu Fuß in den Dschungel vordringen. Der Pfad schlängelt sich durch den dichten Wald, über Bäche und Wurzeln majestätischer Urwaldriesen. Alles ist feucht und so sehen wir alle möglichen Arten von Pilzen. Einen halben Tagesmarsch tief im Dschungel erreichen wir pitschnass „petite Savanne“ – die kleine Savanne. Auf der Aussichtsplattform des WWF können wir etwas ausruhen, unser T-Shirt und die Schuhe trocknen und einige große Vögel und viele Schmetterlinge bestaunen. Auf dem Weg hierher sind wir nochmals mit dem Schrecken davongekommen. Unsere kleine Wanderschaft wurde immer vom Guide angeführt, danach lief meistens Hannah gefolgt von mir und die Nachhut bildete unser bewaffneter Begleiter. Mitten im Dickicht des Dschungels sprang mich Hannah plötzlich an. Ein Gebrüll wie von einem Löwen kam keine 10m von rechts aus dem Unterholz. Sehen konnten wir nichts und das Gorillamännchen ließ sich auch nicht blicken, aber einen Schrecken hat er uns eingejagt. Weniger angsteinflößend, aber doch auch spannend waren die Affenbanden hoch in den Gipfeln der Uhrwaldriesen, die uns von dort neugierig begafften und dann mit großen Sprüngen zum nächsten Baum entflohen. Nach der rast auf der Holzplattform ging es noch einmal ein kurzes Stück durch den Regenwald bis zu unserem Nachtplatz. Zwei überdachte Hütten ohne Wände und ein Tisch mit zwei Bänken war alles. Direkt daneben gibt es einen Bach in dem man sich wunderbar waschen kann und unser Führer machte ein Feuer auf dem wir Nudeln mit Tomatensoße, Lauch und dem Rest der mittäglichen Lyoner (danke Mama;)) kochten.  Hier in der Nähe des Äquators geht die Sonne schon gegen 6 Uhr unter. Um halb 7 ist es dann dunkel und nur mit der mickrigen Stirnfunzel bewaffnetet quatschten wir noch ein Weilchen und legten wir uns dann zeitig Schlafen.  An Schlaf war leider lang nicht zu denken. Zu hart war der Boden und ich fand einfach keine bequeme Schlafposition. Dazu kam die drückende Schwüle und die vielen Krabbeltierchen.  Irgendwann übermannte auch mich der Schlaf.
Schon gegen 5 Uhr wurde es wieder hell und wir schnell auf den Beinen. Nach einem kurzen Frühstück ging es zurück zur „petite Savanne“. Für den Guide gab es einen frühen Mittagschlaf, für mich einige spannende Seiten aus meinem aktuellen Buch. Immer wieder spähten wir von der Plattform in der Hoffnung doch noch einen Gorilla zu Gesicht zu bekommen. Gegen 10 Uhr gab der Guide das Kommando zu Aufbruch. Der Rucksack saß schon fast auf den Schultern, da bedeutete er und zwar lautlos doch ganz aufgeregt  Richtung Wald zu schauen. Und tatsächlich saß dort, wo wir die letzten Stunden immer wieder Ausschau hielten, ein ausgewachsener Silberrücken und kaute genüsslich auf Wurzeln oder Pflanzen. Für uns richtete er sich sogar mal in seiner vollen Größe auf, bevor er sich wieder niederließ zum genüsslich weitermapfen. Der Wind wehte von ihm zu uns herüber, weshalb er uns lang nicht bemerkte, doch plötzlich ohne Vorwarnung machte er kehrt und jagte zurück ins Dickicht. Jetzt konnten wir uns auch auf den Rückweg durch den Urwald zurück zum Auto machen. Eine kleine Schlange, einen faszinierenden Tausendfüßler und einige Affenbanden bekamen wir noch zu Gesicht.
Noch eine Nacht verbrachten wir auf dem Gelände der Parkverwaltung bevor wir uns auf zur Kongolesischen Grenze 160km über eine best ausgebaute Urwaldautobahn machten. Der Weg hierher in den weit abgelegenen Lobeke Nationalpark im äußersten Südosten des Landes war lang nicht so komfortabel gewesen. Die ersten paar hundert Kilometer schon, die gingen über frisch geteerte Straßen (leider mit teurer Geschwindigkeitskontrolle), doch dann kamen ein paar hundert Kilometer schlechteste Piste. Bevor wir uns daran machen wollten, wollte noch Ostern gefeiert werden. Doch in welchen Gottesdienst sollten wir gehen? Kannten wir doch niemand in dieser Gegend. Wahrscheinlich wären wir spontan in einen Gottesdienst gegangen, wäre es nicht anders gekommen. Auf der Suche nach einem geeigneten Nachtplatz bogen wir von der Hauptstraße in eine kleine Nebenstraße ab. Doch wollte sich kein uns sympathischer Nachtplatz finden. Wir wunderten uns noch über die kleinen, aber doch erwachsenen Männer in den kleinen verstreuten Dörfchen. Irgendwann drehten wir um. Eine kleine Stichstraße wollten wir noch versuchen. Und tatsächlich sah es dort sympathisch aus. Wir wurden von noch so einem kleinen Mann begrüßt und er gestattete uns hier unser Nachtlager aufzuschlagen. Aber ob wir nicht den Weißen hier hallo sagen wollten? Und tatsächlich waren wir auf einem Missionsgelände gelandet. Das „Wolrd Team“ arbeitet hier unter dem Waldvolk der Bakas (lohnt sich dazu zu googeln) und leistet hier wertvolle Arbeit in der Gemeindebildung und Gesundheitsversorgung. Spontan wurden wir zum Abendessen und auch gleich zum Ostergottesdienst eingeladen. Und so legten wir einen Osterruhetag ein, genossen die Sonne zum Wäschetrockenen und beobachteten die Kinder bei Osterspielen und hatten noch einen netten Abend zusammen mit den Missionaren bevor es für uns hieß: zurück auf die Piste. Zwei anstrengende Tage dauerte die Fahrt. Unsere Feder vorne links wollte irgendwann nicht mehr und brach und unser Dachträger gab unter der großen Last unserer Ersatzkanister nach. So wurden die Pistenkilometer zur Geduldprobe für Auto und Fahrer. Doch unser Landyfant fährt weiter…

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10. April: GZSZ

Tansania
...mit happy End

Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen. Viele schlimme Geschichten kursieren im Internet und (fast) jeder Overlander fürchtet sich vor diesem Land: NIGERIA. Einige machen das Land deshalb in 2 Tagen Dauerfahrt, um möglichst schnell dem Risiko zu entfliehen. Für uns war deshalb auch lange klar, in möglichst kurzer Zeit dieses Land hinter uns zu lassen, nur brauchten wir noch das Visa für das folgende Land Kamerun. Über Samuels Schwester und den CVJM-Weltdienst bekamen wir eine Adresse und eine Kontaktperson vermittelt. Dadurch und durch unsere bisherigen Reiseerfahrungen geprägt gingen wir sehr entspannt an die Sache. Über die Hauptstadt Abuja sollte die Reise gehen. Die Strecke dorthin stellten wir uns einfach und gut machbar vor. Erst am späten Nachmittag überquerten wir die Grenze, da zuvor - wir es in Cotonou noch geschafft hatten das schwierige DRC-Visa zu bekommen. Aufgehalten von unzähligen Polizeikontrollen - mehr als je zuvor - schafften wir es nicht bis zum CVJM in Ibadan, sondern suchten uns vorher ein Hotel in Abekouta. Los gings am nächsten morgen schon früh um 6 Uhr, um möglichst viel Zeit zu haben bis nach Hope Eden zu kommen. Leider schafften wir es nur bis Ibadan, wo uns an einer Tankstelle Benzin statt Diesel getankt wurde. An der billigen Rechnung ist es uns aufgefallen und die Tankstelle hat schnell einen Mechaniker organisiert um den Tank leerzupumpen. Dies lief ganz gut und wir waren schnell die Attraktion im Viertel. Doch einige "bad Boys" wollten am Ende Geld. "Damit ihr hier sicher seid." Doch für nichts tun, gibts auch kein Geld. Die Jungs wurden böse und wir mussten recht zügig verschwinden. Die zeitliche Verzögerung und das Adrelanin der Szene lies uns eine Nacht in Ibadan verweilen und die ca. 11 stündige Fahrt am nächsten Tag bewältigen. Das gefährlichste der ganzen Reise ist wohl der Verkehr. Besonders in Nigeria. Überladene LKWs, schlechte Straßen mit unzähligen Schlaglöchern und unzählige nicht entdeckten Rennfahren.
40km außerhalb von Abuja liegt Hope Eden. Von Annegret und ihrem nigerianischen Mann Shiekar wurde eine Schule und eine Farm als Communityprojekt vor einigen Jahren gegründet. Wir durften eines der Gästezimmer als Basis unserer Erldigungen in der Hauptsadt nutzen. Das Angolavisum war leider nicht zu bekommen, dafür lief das Kamerunvisa ganz gut und konnte einen Tag später abgeholt werden. Leider sind gegen Ende der anstrengenden Fahrt durch Nigeria wieder seltsame Geräusche am Auto aufgetaucht. Als Tipp hatten wir die Mercedeswerkstatt, die von einem Deutschen geführt wird. Dort hat uns Stavros zwar nicht bei unserem Problem helfen können, dafür konnten wir die Kupplungsflüssigkeit wechseln und unseren Ölvorrat auffüllen. In der Landroverwerkstatt der Stadt halfen sie uns am nächsten Tag unsere Räder neu zu wuchten und einige völlig zerschlissene Gummis der Stoßdämpfer auszutauschen. Etwas verzögert ging es daher Richtung Kamerungrenze.
In einer unserer Reiseapps lasen wir von einer Mandrilla-Ranch mitten im Dschungel. Da diese Nahe der Grenze liegt und für andere Reisende ein Highlight darstellte wollten wir hier zwei Nächste verbingen. Die Fahrt hierher war wieder sehr anstrengend und nach 10 Stunden endlich geschafft. Wieder waren unzählige Kontrollen und Schlaglöcher auf dem Weg. Mitten im Dschungel bedeutet hier wirklich MITTEN im Dschungel. Die Teerstarße hört irgendwann auf und man Fährt über kleine Brückchen durch dichten Wald. Obwohl es noch Tag war, war es hier unten im Wald schon dämmrich. Der Empfang war herzlich und wir fühlten uns wie in einer Forschungsstation aus Juresicpark. Der Besuch der Affengehege musste auf morgen warten, dafür bekam unser Landyfant einen Bruder. Laura und Chimil sind wie wir unterwegs. Gleiche Strecke, ähnliches Zeitfenster, nahezu selbes Equipment, ähnliches Alter. Den Abend verbrachten wir mit Quatschen und Austausch über die Reise. Der Grund der Ranch ist der Schutz der vom aussterben Bedrohten Mandrill-Affen. Über 600 Drills leben in 6 Gruppen in rießigen Gehegen. Auch Schimpansen gibt es hier. Wir konnten beim Füttern dabeisein und eine schöne Dschungelwanderung um die Gehege machen. Unzählige Bananen werden hier jeden Tag verfüttert. Ein wichtiger Beitrag zum Artenschutz findet hier statt! Die Zeit hier genossen wir sehr!!!

 

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