02. Februar

Nouakchott



Visa, Duane und Fischmarkt

Unsere beeindruckendste Fahrt hatten wir aber dann erst außerhalb der offiziellen Nationalparkgrenzen. Hier ist es möglich über 200km bis in die Hauptstadt Nouakchott entlang des Strandes zu fahren. Wir hatten davon gehört und wollten es probieren, doch die Ranger und Polizisten hielten uns davon ab. Es sei viel zu gefährlich. Nur bei Ebbe kann man die Strecke auf dem noch nassen Sand fahren, aber bleibt man stecken kommt jede Hilfe zu spät. Es gibt keinen Handyempfang entlang der einsamen Strecke. Und der Untergrund sei gerade sehr weich, man würde viel zu sehr einsinken. Doch der kleine Sturkopf Samuel wollte sich nicht überzeugen lassen bevor er es nicht selbst gesehen hat. Also gings entlang einer Spur durch den Tiefsand. Schon hier musste die Luft in den Reifen drastisch reduziert werden um überhaupt durchzukommen (von normal 3,5bar auf unter 1 bar).  Doch dann sahen wir den Strand und er war genial. Schöner nasser harter Sandstrand. Nichts wie runter von der Tiefsandpiste, rauf auf den Strand und mit karacho dort entlang. Yeah Yippieh macht das Spaß! Am Strand sitzen plötzlich hunderte Möven und auch Pelikane und erheben sich erst kruz vor dem Auto mühesam in die Lüfte. Wie unter einem Zelt kommt man sich dabei vor. Oben auf dem Auto sitzend ist die Fahrt ein absolutes Highlight! Mal spritzt das Wasser hoch, als die Reifen über die Ausläufer der Wellen rauschen, mal kommen die Dünen ganz nah an den Strand und von Zeit zu Zeit kreuzt man einen von Fischern bevölkerten Strandabschnitt. Bis zum Campingplatz nur 6km außerhalb des Zentrums der mauretanischen Hauptstand geht unsere Strandfahrt. Nur zu empfehlen!
Hier stehen wir nun seit zwei Nächten, da wir heute das Malische Visum beantragt haben und unsere Ehrenurkunde zum Nichtverkauf unseres Autos verlängern mussten. In Mauretanien sind wir nun völlig in Afrika angekommen! Das Highlight der Stadt ist der Fischmarkt, wenn spätnachmitttags hunderte Fischerboote mit ihrem Fang zurückkommen. Es herrscht ein reges Treiben am Strand und in und um die Markthalle. Wunderschön buntbemalte Boote, unzählige Fische jeder Größe und dazwischen Autos die aussehen als wie wären sie seit 50 Jahren nicht mehr fahrtüchtig. Und all dies nur 600 Meter vom Campingplatz den Strand entlang.  Morgen müssen wir uns jetzt leider von Hamza trennen. Er fährt direkt nach Dakar und wir wollen das uns sehr freundlich empfangende Land weiter bereisen.
Da das Internet in Mauretanien sehr schlecht ist, gibts mehr Bilder erst später. Wer dennoch hin und wieder einen Schnappschuss sehen will, findet diesen auf instagram. Link siehe ganz unten.
 

5. Februar: Alhamdulillah

Tansania
Gott sei Dank

Einsam stolpert der Wanderer durch die Dünen. Immerwieder dringt Sand in seine Schuhe ein und er muss stehen bleiben um sie zu leeren. Irgendwann wird es ihm zu blöd und er zieht die Schuhe kurzerhand aus, nimmt sie in die Hand und maschiert barfuß weiter. Seine gepflegten Füße sind den heißen Sand aber leider nicht gewöhnt und so zieht er sie doch schnell wieder an. Er kommt an den ersten Palmen vorbei. Nur verlassene Hütten und versandete Gärten. Hinter der nächsten größeren Düne kann er noch mehr Palmen und Hütten ausmachen und hofft dort auf Hilfe zu stoßen. Doch die Hoffnung ist gering. Um diese Jahreszeit, nicht in der Erntezeit der Dattelpalmen, hier jemanden zu finden. Durch eine kleine Türe kommt der verschwitzte und dreckige Wandere in ein großes umzäuntes Gebiet. Wieder gehts vorbei an verlassenen und halb verfallenen Hütten. Doch dann hört er Musik. Er könnte Luftsprünge machen. Hier wohnt jemand.
Zuerst wird er von einem kleinen Mädchen entdeckt, die sofort im Zelt verschwindet und zusammen mit ihrer Mutter gleich darauf wieder auftaucht. Der Wanderer wird neugierig beäugt und dann herzlichst willkommen geheißen. Auf einer ihm fremden Sprache quasseln die Frauen auf ihn ein. Mit Händen und Füßen gestikuliert dieser wie wild. Mit den Händen versucht er das Autofahren nachzumachen um dann seltsame geräusche von sich zu geben. >>ggrr puff peng<< Und dann versucht er all sein französisch auszupacken und stammelt Wörter wie >>Police<<, >>Handy<<, >>mechanic<<, >>homme/men<< und >>military<<. Doch die Frauen beachten dies kaum und nötigen ihn ins Zelt einzutreten und erstmal einen Tee zu trinken. In der Hoffnung, das Mädchen rennt gleich los um einen anständigen Mann zu holen, willigt der Wanderer ein. Doch zu seiner enttäuschung kommen nur noch mehr Frauen hinzu, keine scheint sich zu entfernen um einen Mann zu holen. Schon rutscht der Wanderer unruhig hin und her und will schon selber wieder losziehen, da taucht plötzlich der erste Mann auf. Und es dauert nicht lang, dann sind 6 bis 7 Männer im Zelt und hören den Erkläruungsversuchen des Fremden zu. Mit Hilfe von Stift und Papier versucht dieser das Problem zu erklären.

- Anmerkung: Wer selber auch raten will um was es ging, sollte nicht gleich weiterlesen, sondern sich die Zeichnung oben anschauen und versuchen zu erraten um was es geht -

Auch ein Mechaniker kommt mit seinem Werkzeug (3 Sechskantschlüssel und 4 Gabelschlüssel) vorbei und der Wanderer freut sich schon über die Rettung und will gleich los. Doch zuerst muss gegessen werden, so der älteste Mann in der Runde. Die Waschschüssel macht die Runde, dann kommt eine große Schüssel in die Mitte der Männer. Säuerliche Pfannkuchen liegen dort geschichtet aufeinander. Mit der rechten Hand werden diese zerrupft und mit der Hand wird ein Ballen geformt und dann in den Mund geschoben. Auch der Gast versucht sich an dem ihm ungewöhnlichen Essen. Aber an seinem gesichtsausdruck ist zu erkennen, dass er sich an dieses Essen womöglich noch ewats gewöhnen muss . Auch dies wurde überstanden, doch wo war nun der Mechaniker hin? Also nochmals warten. Endlich taucht dieser wieder auf und eine kleine Gruppe von 4 Mann macht sich zu Fuß auf den weg zum liegengebliebenen Auto mit der wartenden Braut des Wanderers. Als endlich das Auto am Horizont auftaucht ist dort Bewegung zu sehen, mehr als nur von einer Person. Als die Gruppe der Männer näher herankommt können sie ein vollgepacktes Kamel, dessen Führer und eine Mitte 50-jährige Weiße Frau erkennen. Eva war zufällig auf ihrer 6-tägigen Wandertour durch die Wüste am Auto vorbeigekommen und bot an, mithilfe der Koordinaten Hilfe zu organisieren, wenn sie in 4 Tagen wieder im nächsten Stätdchen angekommen ist und keine positive Meldung der liegengebliebenen dort findet. Der erste Engel der am Auto vorbeikam.

Vollends am Auto angekommen strützt sich, der auf einem Auge blinde Mechaniker, sofort auf den Wagen. Er schaut und guckt, doch an seinem Gesichtsausdruck ist zu erkennen, dass er keine Ahnung hat wo das Problem liegt. Den Reisenden war mitten in der Wüste das Kugellager einer Umlenkrolle des Hilfsantriebsriemens zerbröselt. Dies hatte sich schon vor der Abreise angekündigt und so war eine ersatzrolle im Gepäck und schnell auch montiert gewesen. Nur der Riemen wollte nicht mehr drauf. Der Riemen treibt neben der Lichtmaschine allerdings auch die Servolenkung und noch viel wichtiger, die Kühlwasserpumpe an. Ohne diesen Riemen überhitzt der Motor innerhalb kürzester Zeit. Er musste also wieder an Ort und Stelle, damit die Fahrt vortgesetzt werden kann. Leider wusste der "Mechaniker" weniger bescheid als der Fremde. Als der "Mechaniker" dann nach einer Brechstange fragte und anfing damit die Lichtmaschine vom Motor brechen zu wollen, war es für den Fremden genug. Und da kam ihm auch der rettende Gedanke. Nicht Lösung 1 sondern Lösung 2 der Fädeltechnik des Riemens war die Lösung des Problems. Schnell war so der Riemen wieder montiert und voll Hoffnung wurde der Motor gestartet. "AAAAUUUUSSS" - schrie da seine Frau. Wild flogen Fetzen des Riemens durch die Luft. Misst! Zum Glück wurde dabei aber nur der halbe Riemen auseinandergerissen, der wohl durch die kaputte Umlenkrolle schon einen Riss bekommen hatte. Die kaputten Reste wurden entfernt und der halbe Riemen nun sehr ordentlich eingefädelt. Und jetzt lief der Wagen wieder. GOTT sei Dank!

Der Mechaniker und die Herren der Oase wurden natürlich sofort mit dem Wagen zurück in deren Oase gefahren und da es inzwischen schon früher Abend war, nahmen die beiden Reisenden die Einladung gerne an, beim Mechaniker zu Gast zu bleiben. Neben dessen Zelten durften sie ihren Wagen parken und ihr Zelt aufschlagen. Zum Abendessen wurde ein unglaublich leckeren Cusscuss, mit Gemüse aus dem Hauseigenen Garten, gekocht und unzählige Tees getrunken. Eine Führung durch die reichen Gärten des 6-fachen Familienvaters gehörten zum Abendprogramm. Karotten, Weizen, Oberschienen, Rote Beete, Pfefferminze, Dattelpalmen und Tomaten wurden hier mit hilfe eines ausgeklügelten Bewässerungssystemes angebaut. Morgens erwartete die zwei Reisenden dann die nächste Überraschung: Die ein paar Tage zuvor kennengelernten Deutschen Thomas und Claudia standen plötzlich auch in der Oase. Sie hatten sich ganz zufällig nur ein paar Meter entfernt abends im tiefsand festgefahren und dort die Nacht verbracht. Nun war die Weiterreise gerettet. Die anspruchsvolle Strecke nach Chinguetti konnte so zusammen gefahren werden und das Risiko nochmals irgendwo alleine liegenzubleiben war gebannt. GOTT sei Dank!

Einen Ersatzriemen wurde über den Campingplatzbesitzer Just, in Atar, aus Nouakchott bestellt und konnte am nächsten Tag dort abgeholt werden. Für unseren Defender gibt es allerdings zwei verschiedene Längen des Riemens. Für mit oder ohne Klimaanlage. Leider kam der falsche. Egal. Der alte hält ja noch und so sind die beiden nun selbst auf dem Weg nach Nouakchott um dort den richtigen neuen Riemen zu besorgen. Dort angekommen konnte der Riemen ohne probleme in den kürzeren getauscht werden und die beiden überlegten kurz ob sie ihn einfach einpacken und irgendwo auserhalb der Stadt erst montieren sollten. Doch um auf Nummer sicher zu gehen, wurde er gleich an Ort und Stelle montiert. Und ups... Dieser ist jetzt zu kurz. Es gäbe keinen anderen für dieses Modell, wollte der Spezialist in Nouakchott die beiden überzeugen. Und er sah auch keine Möglichkeit in Mauritanien einen solchen zu bekommen. Lang überlegten die beiden Reisenden was jetzt zu tun sei. Mit dem alten Riemen bis nach Dakar fahren? Da klopfte es plötzlich an der Scheibe, unser Schweizer Landy Fahrer Hans-Peter steht davor. Er was auch gerade zufällig hier um ein Ersatzteil zu besorgen. Und da er Mechaniker ist und den selben Defender fährt wurde ihm das Problem geschildert. >>Ich hab 3 als Ersatz dabei, könnt einen haben!<< Auch wir konnten ihm mit einem Ersatzteil (wenigstens als Muster zum kauf von neuen) aushelfen. GOTT sei Dank!

 

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31. Januar: Überraschung

Tansania
traumhafte Ebbstrandstraße

Mit konstanten 100km/h ging es fast die kompletten 900km entlang der Küste durch die West Sahara. Auf der meist recht guten Teerstraße kamen uns nur ab und zu völlig überladene LKWs entgegen. Ein Stopp am Surverhotspot Dakhla und einer entlang der Straße, war so ziemlich die einzige Abwechslung. Die Landschaft hier ist sehr öde und daher auch kaum besiedelt. Immerwieder gibt die Straße den Blick frei auf den Atlantik und hin und wieder gibt es hier kilometerlange einsame Sandstrände. Da der Wind hier fast imer konstant aus Norden weht (hat irgendwie etwas mit dem Sahara Tief oder Hoch zu tun ;-)), kommen hierher viele Surver.
Im Internet herrscht rege Diskussion darüber ob man die Grenze nur mit Hilfe der dortigen "Helfer" meistern könne. Die Grenzvormalitäten würden zumeist 4 Stunden oder länger gehen und Schmiergelder seien fast immer nötig. Auch vom Land Mauretanien selber hatten wir bisher wenig positives gehört, so wird Mauretanien meist nur als Transitland ins Nachbarland Senegal genutzt. Wie anders sind nun heute unsere Erfahrungen!
Schon an der Grenze wurden wir positiv überrascht. Ganz ohne "Helfer" ging der Grenzübetritt reibungslos von statten. Etwas warten auf das Ende der Mittagspause der Visa-Beamten war alles. In "nur" 2,5h waren wir aus- und wieder eingereist. Dabei hat das ganze wenig mit europäischen Grenzen gemein. Schon auf der marokkanischen Seite muss man mindestens 8 Stationen durchlaufen. Visakontrolle, Fahrzeugpapiere, Ausreisestempel, Kontrolle, Zoll, nochmals Kontrolle, und nochmal,... Im Niemandsland dazwischen überwacht die UN den Frieden. Auf den knapp 5km wird man nahezu überfallen von sogenannten "Helfern", die beteuern ohne sie wäre der Grenzübertritt nicht möglich. Drüben wird das Auto von Beamten und Hunden durchsucht, der Pass registriert. Anschließend muss das Visum für 55€ beantragt werden, eine Ehrenurkunde unterzeichnet werden, dass man das Auto nicht verkaufen wird, von der Polizei im PC erfasst werden und alles nochmals mehrfach kontrollieren lassen bis man endlich die Grenze hinter sich hat. Aber entgegen mancher Meinung waren die Beamten an beiden Grenzen sehr freundlich und hilfsbereit (mit wenigen Ausnahmen natürlich).
Im Grenzprozedere ist uns immerwieder ein junger Mann aufgefallen, der die selben Stationen durchlaufen musste wie wir. Nur ohne Auto. Am Ende dann kamen wir ins Gespräch und er bat um eine Mitfahrgelegenheit bis zur nächsten Stadt Nouadhibou. Hamza, Belgier,  ist so alt wie Samuel, gebürtiger Marokkaner und gerade auf einer kleinen Reise von seiner Famile in Casablanca, über Mauretanien bis nach Dakar. Da wir dieselbe Richtung haben und wir uns prächtig mit ihm verstanden, blieben wir zusammen. In Nouadhibou haben wir, dank Hamzas Arabischkenntnissen, Geld und Simkarte besorgt, waren gut mauretanisch Essen und sind am nächsten Tag Richtung Hauptstadt Nouakchott aufgebrochen. Auf dem Weg liegt der bedeutenste Nationalpark Banc d'Arguin, ein Paradies für allerlei Vögel. Für Angler und Vogelliebhaber sind hier wohl eine der besten Möglichkeiten weltweit. Uns hat vor allem die unberührte, einsame Natur gefallen. Baden im Atlantik, joggen entlang des nicht endenden Sandstrandes und schlafen direkt am Strand, genial! Im Nachbarzelt des Community-Campsides war ein Geschäftsmann aus Nouakchott für ein paar Tage zum Fischen. Hier komme er so richtig zur Ruhe. Und da er ein echter Afrikaner ist, die im Gegensatz zu uns Europäern die Gastfreundschaft ganz ganz hoch halten, wurden wir zum Tee und anschließend zum frisch gefangen und gegrillten Fisch eingeladen. Lecker, lecker, lecker!!

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